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Ausbildung in Situationen existentieller Bedrohung<br> Theoretische Analyse und Ergebnisse einer empirischen Studie (Rezension)

Ausbildung in Situationen existentieller Bedrohung Theoretische Analyse und Ergebnisse einer empirischen Studie (Sabine Dörpinghaus, Christiane Rohrbach, Beate Schröter)Rezension von: Die drei Autorinnen, zwei Hebammen sowie eine Fachkinderkrankenschwester für Intensivpflege,
25. Mai 2013 durch
Ausbildung in Situationen existentieller Bedrohung<br>
Theoretische Analyse und Ergebnisse einer empirischen Studie (Rezension)
Andreas Lauterbach

Ausbildung in Situationen existentieller Bedrohung
Theoretische Analyse und Ergebnisse einer empirischen Studie (Sabine Dörpinghaus, Christiane Rohrbach, Beate Schröter)

Rezension von:


Die drei Autorinnen, zwei Hebammen sowie eine Fachkinderkrankenschwester für Intensivpflege, haben für ihre Diplomarbeit als Pflegewissenschaftlerinnen ein Themengebiet gewählt, das generell für pflegerische Ausbildungssituationen von Bedeutung ist. Was muss bei der praktischen Anleitung von Pflegeschüler/innen im Hinblick auf die Situation existentieller Bedrohung von Menschen beachtet werden? Entsprechend ihren beruflichen Erfahrungen interessiert sie die Begleitung und Ausbildung bei gebärenden Frauen sowie bei Eltern, deren Neugeborenes auf einer Intensivstation liegt. Dem spüren sie in insgesamt 15 Interviews mit Betroffenen nach.

Inhaltlich gehen dem empirischen Forschungsprojekt einige hinführende Kapitel voraus: Nach Erläuterung der rechtlichen Voraussetzungen für die Ausbildung zur Hebamme und Kinderkrankenschwester sowie Hinweisen zur praktischen Ausbildungssituation werden psy-chologische Aspekte bezogen auf Elternschaft und Eltern-Kind-Beziehungen dargestellt. Einen zentralen Punkt nehmen die ethischen Überlegungen ein und es wird deutlich erkenn-bar, dass den Autorinnen moralisches Handeln ein echtes Anliegen ist. Sie orientieren sich dabei überwiegend am christlich geprägten Personenbegriff von Guardini sowie an der Selbstzweckformel von Kant. Leider ist Schischkoff, ein häufig verwendeter Sekundär-Autor, nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt. Knapp wirkt das sich anschließende Kapitel zur Kommunikation. Zurecht argumentieren die Autorinnen, dass Kommunikation eine wichtige Qualifikation für Pflegende sei. Sie stellen auch fest, dass kommunikative Fähigkeiten zu wenig beachtet und gelehrt werden. Trotzdem wird nicht wirk-lich deutlich, dass sich in der Art der Kommunikation die ethische Grundhaltung ausdrückt, der rote Faden wird nur ansatzweise erkennbar, obwohl dieser Zusammenhang der ursprüngliche Ausgangspunkt der Arbeit gewesen sein dürfte. Sehr ernsthaft setzen sich Dörpinghaus, Rohrbach und Schröter mit ihrem eigenen Wissenschaftsverständnis auseinander und erläutern ausführlich, warum sie die phänomenologische Reduktion von Husserl zur philosophischen Grundlage ihres Projektes gewählt haben. Husserls Phänomenologie ist sehr komplex und von daher ist es auch nicht verwunderlich, dass eine verständliche Darstellung in der gebotenen Kürze nur unzureichend gelungen ist. Vielleicht wäre es besser gewesen, diesen Teil in der Veröffentlichung weg zu lassen. Im empirischen Forschungsteil orientieren sich die Autorinnen an dem qualitativen Denken nach Mayring, wonach es fünf Gemeinsamkeiten gibt: Subjektbezogenheit, Deskription, Interpretation, alltägliche Umgebung, Verallgemeinerung (S. 94)

Wie im wissenschaftlichen Bereich üblich, wird das empirische Forschungsdesign ausführlich erläutert. Aus den Gesprächsinhalten werden acht Kategorien gebildet (Erwartungen, Wahr-nehmungen, Belastungen, Beziehungen, Information und Kommunikation, Verantwortung, Sicherheit, Rollenzuschreibung), die anschliessend mit Gesprächssequenzen interpretiert und erläutert werden. Hierzu ist anzumerken, dass sich zumindest für mich als Aussenstehende die vorgelegten Interpretationen mit den wörtlichen Aussagen nicht immer nahtlos decken. Das mag zum Teil daran liegen, dass eine Gesprächsatmosphäre nicht ohne Probleme in die Schriftsprache zu übersetzen ist, es könnte aber auch sein, dass bei 265 Seiten Interviewmaterial eine stimmige Auswahl nicht ohne grosse Mühe erreichbar ist.

Als Ergebnis der Studie lässt sich feststellen, dass es für Menschen in bedrohlichen Situationen nicht primär belastend ist, wenn Schülerinnen in Ausbildungssituation mit beteiligt werden. Schwierig wird es nur dann, wenn ein Gefühl von Antipathie oder Unsicherheit entsteht. Die Gebärenden sowie die Mütter und Väter erwarten Freundlichkeit, offene Information und Beteiligung an den Vorgängen sowie einfühlsame Zugewandtheit als Voraussetzung für ein sicheres Gefühl. Sofern diese Aspekte auch in der Anleitungssituation selbst gegeben sind, haben sie offenbar keine Probleme damit, wenn Schülerinnen beteiligt sind. Insofern ist eine Ausbildungssituation als solche unproblematisch, sofern es der Ausbildnerin gelingt, den Spagat zwischen aufmerksamer Zuwendung zur betroffenen Person bei gleichzeitig fachlich-kommunikativ guter Anleitung ohne einseitige Verkürzung zu schaffen. Zurecht verlangen die Autorinnen bei ihren Empfehlungen für die Praxis, dass die praktische Ausbildung keinesfalls Berufsanfängerinnen übertragen werden sollte, weil sie den gebotenen Anforderungen man-gels Erfahrung nicht gerecht werden können.

Wem ist das Buch zu empfehlen? Das ist einigermassen schwierig zu sagen. Hilfreich ist es ganz sicher für Pflegepädagoginnen, zumal ein grosser Teil der Erkenntnisse auf die praktische Ausbildung und Anleitung am Krankenbett generell übertragbar ist. Andererseits werden die meisten Anleitungen vor Ort von nicht akademisch ausgebildeten Praktikerinnen durchgeführt. Für sie wäre Inhalt und Ergebnis der Studie sicher von grossem Interesse, allerdings dürfte das zeitweise sehr hohe Abstraktionsniveau sowie die ausführliche Erläuterung des Forschungshintergrundes eher abschreckend wirken.

Damit ist aber eine grundsätzliche Frage angeschnitten, die mich bei der Rezension von Veröffentlichungen immer wieder beschäftigt. Die Pflege ist - und wird es in Deutschland noch für sehr lange Zeit bleiben - eine nicht akademische Berufsausbildung, die sich überwiegend in der alltäglichen Praxis abspielt. Das endlich möglich gewordene Pflegestudium mit seinen Forschungsmöglichkeiten ist für die Entwicklung der Pflege auch in der Praxis unendlich wichtig. Aber sollte dann bei entsprechenden Veröffentlichungen nicht mehr darauf geachtet werden, dass Brücken zwischen Theorie und Praxis gebaut werden? Eine Diplomarbeit muss im Gegensatz zu einer Dissertation nicht unverändert veröffentlicht werden. Wäre es für das offenkundige Anliegen der Autorinnen, nämlich die Praxis der Anleitung zu verbessern, nicht besser gewesen, sich bei der Veröffentlichung zu bescheiden? Statt der ganzen Arbeit mit dem umfangreichen philosophisch-empirischen Hintergrund nur wesentliche Elemente heraus zu nehmen und sie auf eine alltagssprachliche Ebene zu übersetzen, damit sie für die Hebamme und die Kinderkrankenschwester neben ihrer täglichen Arbeit noch verdaulich sind? Wie gesagt, das sind grundsätzliche Fragen, die sich mir aber speziell bei dieser Arbeit mehr noch als sonst stellen.

Handbuch Pflegemanagement<br> Erfolgreich führen und wirtschaften in der Pflege (Rezension)
Handbuch Pflegemanagement Erfolgreich führen und wirtschaften in der Pflege (Eisenreich, T. und BALK (Hrsg.))Luchterhand, Neuwied, 2002, 296 S., 64,00 € - ISBN 3-472-04841-7Rezension von: Cornelia Schreiner Das Handbuch Pflegemanagement will ein Buch für Praktiker im Pflegeman