Der schwerhörige Patient (Becker, Maryanne)Mabuse, 2011, 99 Seiten, 14,90 â¬, ISBN: 9783940529589Rezension von: Andrea Dobrin Schippers, MSc Gesundheits |
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Dieser Leitfaden wurde geschrieben um Mitarbeiter in professionellen Gesundheitsberufen über die besonderen Bedingungen und Bedürfnisse schwerhöriger Patienten aufzuklären und mittels praktischer Hinweise für eine Bedarfsorientierte Versorgung zu sensibilisieren. Die Autorin hat als Soziologin und Audiotherapeutin langjährige Erfahrung in der klinischen Beratung Hörgeschädigter sowie als Dozentin in Alten- und Krankenpflegeschulen.
Zu Beginn wird eine Einführung in Aufbau und Funktion des Ohrs gegeben
und über Arten und Ausprägungen von Hörschädigungen, wie
beispielsweise angeborene oder erworbene Taub- und Schwerhörigkeit, Tinnitus
oder Gleichgewichtsstörungen, aufgeklärt. Das folgende Kapitel informiert
umfassend über Hörsysteme und andere Hilfsmittel (Hörgeräte,
Knochenverankerte Hörsysteme, Cochlea-Implantate & weitere). Ergänzt
wird dies durch die Handhabung der Hörsysteme und Hilfsmittel in Klinik
in Praxis. Wann Hörgeräte ggf. abgelegt werden müssen (Baden,
schwimmen), welche Ursachen bei einem Nichtfunktionieren vorliegen können
oder aber wie hygienische Reinigungen vorzunehmen sind ergänzen dieses
Kapitel. Bei einigen Untersuchungen, wie z. B. Ultraschall oder MRT, müssen
einige Hilfsmittel ebenfalls abgelegt werden. Informiert wird hier auch, welche
Hilfsmittel es gibt, damit die Patienten ein Anklopfen an der Tür wahrnehmen
können, welche Wecker es gibt oder wie Telekommunikation über SMS
stattfinden kann, was den Patienten im Krankenhaus gestattet werden sollte.
Kapitel 6 beschäftigt sich mit Schwerhörigkeit als Kommunikationsbehinderung.
Auf Grundlage des Modells des vierohrigen Hörens von Thun werden die Dimensionen
von Kommunikation dargestellt sowie häufig auftretende Schwierigkeiten
und Lösungsmöglichkeiten bei der Kommunikation mit schwerhörigen
Menschen erläutert. Das Bewusstsein soll geschärft werden, wie wichtig
es für eine erfolgreiche Kommunikation bei Diagnose und Behandlung des
Patienten ist, dass die hörbehinderten Patienten ihre Hilfsmittel so weit
wie möglich benutzen. Beispielsweise der Hinweis auf höfliche "Putzgespräche"
zur Einstimmung in ein Gespräch stellen einen Hörstress des Patientin
dar und sollten vermieden werden. Es werden psychosoziale und sozial-kommunikative
Faktoren von Schwerhörigkeit ebenso behandelt wie behinderungsbedingte
Verhaltensweisen seitens des Patienten oder des Personals.
Kapitel 7 beschäftigt sich mit den Voraussetzungen für eine gelungene Kommunikation mit Hörgeschädigten. Die Umgebungsgestaltung, verschiedene Formen des Dolmetschens aber natürlich auch die Art und Weise, wie Sätze formuliert sowie mit dem Schwerhörigen gesprochen wird, beeinflussen die Möglichkeiten seines Verstehens. Zeit und Einfühlungsvermögen sind wichtig, um diesen Patienten ein angemessenes Verständnis zu ermöglichen, damit er sich in dieser außergewöhnlichen Situation ebenso informiert fühlt wie ein normalhörender Patient und Instruktionen verstehen kann. Im folgenden Kapitel werden gezielt praktische Tipps für die Kommunikation mit schwerhörigen und ertaubten Patienten gegeben. Hierzu gehören Alternativen zur telefonischen Terminsprache, Besonderheiten in verschiedenen therapeutischen Situationen & Settings oder eine Übersicht über ototoxische Medikamente.
Dieser Leitfaden ist als Handbuch für Angehörige der unterschiedlichsten Gesundheitsberufe hilfreich, um sich auf hörgeschädigte Menschen in ihrem Berufsalltag einzustellen, damit deren Behandlung ebenso erfolgreich ist, wie die der normalhörenden Patienten. Das Buch ist gut verständlich und lesbar. Bei der Einführung der anatomischen Gegebenheiten sowie der verschiedenen Hilfsmittel veranschaulichen Abbildungen die im Text beschriebenen Fakten. Im Text sind Quellenangaben angegeben und am Ende jedes Kapitels wird auf weiterführende Literatur verwiesen. Hilfreiche Internetseiten von Verbänden, Hilfsmittelherstellern sowie mit medizinischen und pharmakologischen Informationen finden sich im Anhang aufgeführt. Es werden deutsche Rehabilitationseinrichtungen aufgeführt, die sich auf die Behandlung hörgeschädigter Menschen spezialisiert haben. Auf knapp 100 Seiten bekommt der Leser einen umfassenden Einblick auf das, was er benötigt, um hörgeschädigte Menschen in seinem Arbeitsalltag bedarfsgerecht zu betreuen. Als kleine, leichte Lektüre übrigens auch gut unterwegs zu lesen. Eine empfehlenswerte Publikation für viele Berufsgruppen und Praxisbereiche, ebenso aber auch für Auszubildende und Studierende im Gesundheitswesen.