Die Genkontroverse |
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Seit Monaten gibt es eine intensive Debatte über die Wünschbarkeit und Zulässigkeit der durch Genetik und Biotechnologie eröffneten Handlungsmöglichkeiten; und diese Debatte unterscheidet sich von ähnlichen Debatten zu anderen technischen Neuerungen, die es in der Vergangenheit gegeben hat zum einen dadurch, dass sie geführt wird, bevor die Technik wirklich etabliert ist, und zum anderen dadurch, dass sie öffentlich geführt wird. Wer Interesse hat, kann in allen überregionalen Zeitungen, die allgemein zugänglich sind, diese Debatte verfolgen; im Internet sogar in der ganzen und dem Gegenstand auch angemessenen Breite.
In dem vorliegenden Band sind einige der zentralen Beiträge dieser Debatte, die fast alle bereits an anderer Stelle erschienen sind, zusammengestellt, so dass der preiswerte Band als Einstieg in die kritische Diskussion über die Bedingungen, Probleme und Visionen, die mit den Möglichkeiten der Gentechnik verbunden sind, gut geeignet sehr zu empfehlen ist.
In einem ersten Teil werden - eingeleitet durch die Berliner Rede des deutschen Bundespräsidenten vom Mai 2001 - grundlegende Fragen einer sog. Biopolitik erörtert. Zwei Beiträge aus diesem Teil verdienen besonders erwähnt zu werden, da sie besondere Akzente setzen. Lily E. Kay, eine Amerikanerin, beleuchtet die Grundlagen der gesamten Genkontroverse kritisch; sie stellt die Frage, inwieweit wir überhaupt über gesichertes Wissen verfügen, wobei sie zu dem Schluà kommt, dass der Genom-Diskurs auf tönernen FüÃen steht. Ina Prätorius, Theologin und freiberuflich tätig, setzt sich mit einer der zentralen Prämissen der Diskussion auseinander, nämlich dass die Option der Heilung von Krankheiten fraglos wünschenswert ist und vor allem von den Betroffenen uneingeschränkt gefordert wird, ein Totschlagargument, mit dem nicht selten eine kritische Diskussion abgewürgt wird. Selbst an einer chronisch Krankheit leidend, stellt sie heraus, dass diese Prämisse nicht zwingend richtig ist.
Im zweiten Teil sind vier Artikel zusammengestellt, die sich um einen wichtigen Begriff ranken, der in der Diskussion über die Gentechnik eine ebenso groÃe Rolle wie er letztlich wenig konkret faÃbar ist - die Menschenwürde.
Im dritten Teil geht es um die Stammzellenforschung, eine Debatte, die in Deutschland vorläufig ein gewisses Ende gefunden hat, und im vierten Teil um die Präimplantationsdiagnostik, die vermutlich in den nächsten Monaten noch mehr in das öffentliche BewuÃtsein gelangen wird.
Es wäre wünschenswert, wenn die Herausgeberin und der Verlag in einem ähnlich gestalteten Band Material zu dem in jedem Fall auf uns zukommenden Problem des Klonens vorlegen würden.