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Die Heilberufe auf der Suche nach ihrer Identität<br> Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin e.V., Frankfurt 2000 (Rezension)

Die Heilberufe auf der Suche nach ihrer Identität Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin e.V., Frankfurt 2000 (Engelhardt, Dietrich von et al. (Hrsg.))LIT-Verlag, Münster, 2001, 200 S., 20,90 € - ISBN 3-8258-5505-8Rezension von: Paul-Werner Schreiner Wer auf der
25. Mai 2013 durch
Die Heilberufe auf der Suche nach ihrer Identität<br>
Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin 
e.V., Frankfurt 2000 (Rezension)
Andreas Lauterbach

Die Heilberufe auf der Suche nach ihrer Identität
Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin e.V., Frankfurt 2000 (Engelhardt, Dietrich von et al. (Hrsg.))

LIT-Verlag, Münster, 2001, 200 S., 20,90 € - ISBN 3-8258-5505-8

Rezension von: Paul-Werner Schreiner

Wer auf der Suche nach seiner Identität ist, dessen sicherer Orientierungs- und Einordnungsrahmen ist abhanden gekommen oder er muss einen solchen erstmalig für sich finden. Dafür, dass die Angehörigen der Heilberufe auf der Suche nach ihrer Identität sind, gibt es mehrere Gründe:
  • Ein Grund liegt darin, dass überhaupt von "Heilberufen" gesprochen wird. Lange Zeit war es ausreichend, die Funktion und Aufgabe sowie das Selbstverständnis und Verhalten des Arztes zu bedenken. Heute drängen immer mehr Berufsgruppen in dieses Ar-beitsfeld und beanspruchen für Tun Selbstständigkeit - das sind nicht nur die Pflegebe-rufe, sondern auch Psychotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten u.v.a.m.
  • Ein weiterer Grund ist darin zu sehen, dass die bis weit in die zweite Hälfte des vergan-genen Jahrhunderts gültige Sichtweise, dass der Arzt schon weiß, was für den Kranken gut ist, so nicht mehr akzeptiert wird - Kranke wollen und müssen aufgeklärt werden und sie haben immer mehr Möglichkeiten, sich Informationen über die Krankheit, an der sie leiden, zu beschaffen.
  • Auch die immer weitergehenden Handlungsoptionen und die die damit verbundene Spezialisierung, die u.a. zur Folge hat, dass ein Patient häufig nicht mehr "seinen" behandelnden Arzt hat, sondern von einer Vielzahl von Spezialisten nicht immer koordiniert behandelt wird - die Spezialisierung gibt es z.B. auch im Pflegebereich -, bedingt Veränderungen im Selbstverständnis der Handelnden.
  • Schließlich bleibt die zunehmende Verrechtlichung des Handelns in den Gesundheitsberufen nicht ohne Folgen für das Selbstverständnis der in diesem Bereich Tätigen.

Die Akademie für Ethik in der Medizin hatte die öffentliche Veranstaltung im Rahmen ihrer Jahrestagung 2000 dieser Thematik gewidmet. In dem vorliegenden Buch sind einige der im Rahmen dieser Veranstaltung gehaltenen Vorträge abgedruckt.

Die ersten drei Beiträge beschäftigen sich mit philosophischen Fragen der Identitätsfrage. U.a. wird erörtert, ob Sympathie ein Identitätsmerkmal der Heilberufe sein kann; und es wird das Verständnis von Heilen und Pflegen vor dem Hintergrund der Möglichkeiten der modernen Medizin bedacht. Weitere Beiträge sind der medizinischen Profession gewidmet. Themen sind u.a. das Rollenverständnis der Heilberufe im Umgang mit der Aufklärung des Patienten, die Probleme, die sich für die Medizin aus den Bestimmungen "Wissenschaftlichkeit, Kostendämpfung und Kundendienst" ergeben. Spannend sind die Ausführungen über die Kompetenzen und Defizite des Arztes als Krisenmanager aus der Sicht der Eltern behinderter Kinder. Im Mittelpunkt dreier weiterer Beiträge stehen andere "Heilberufe". Es wird die ungesicherte Identität des Psychotherapeuten reflektiert. Der Beitrag einer Krankenschwester skizziert die historische Entwicklung der Wertorientierungen in den Pflegeberufen "von selbstloser Aufop-ferung zur Berufsethik" - auch wenn die Ausführungen interessant sind, wurde hier m.E. jedoch die Chance verpasst, einmal kritisch die Situation der Pflegenden im Konzert der Gesundheitsberufe in Deutschland zu bedenken, die eben nicht dadurch eine andere wird, wenn in der Berufsgruppe eine eigenständige Berufsethik proklamiert wird. Der dritte nicht primär ärztliche Heilberuf, dessen Identität bedacht wird, dürfte auch der Jüngste sein - es geht um den klinischen Medizinethiker. An diesen Beitrag schließen sich die Ergebnisse einer Untersuchung über Klinische Ethik-Komitees an. Die Erfahrungen mit der Entwicklung eines Klinik-leitbildes sind Thema eines weiteren Beitrages. Abschließend werden Fragen des ärztlichen Selbstverständnisses diskutiert, z.B. die nicht autoritäre Lenkung des Patienten in der griechi-schen Medizin oder die Vater- bzw. Seelsorgerfigur des Arztes aus volkskundlicher Sicht.

Der Band enthält viele Anregungen zum Weiterdenken; er sei zur Lektüre empfohlen.

Die Ethik-Kommissionen<br> (Rezension)
Die Ethik-Kommissionen (Wiesing, Urban (Hrsg.) )Deutscher Ärzte-Verlag, Köln, 2003, 198 S., 39,95 € - ISBN 3-7691-0431-5 Rezension von: Paul-Werner Schreiner Nach der Einleitung durch den Herausgeber wird der Wandel, dem die Ethik-Kommissionen durch neue Aufgabenstellungen un