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Die Wunschgeneration<br> Basiswissen zur Fortpflanzungsmedizin (Rezension)

Die Wunschgeneration Basiswissen zur Fortpflanzungsmedizin (Riewenherm, Sabine)Orlanda Frauenverlag, Berlin, 2001, 222 S., 15,50 € - ISBN 3-929823-80-2Rezension von: Paul-Werner Schreiner Die Reproduktionsmedizin ist immer einmal wieder in den Schlagzeilen, aber nie sehr anhalt
25. Mai 2013 durch
Die Wunschgeneration<br>
Basiswissen zur Fortpflanzungsmedizin (Rezension)
Andreas Lauterbach

Die Wunschgeneration
Basiswissen zur Fortpflanzungsmedizin (Riewenherm, Sabine)

Orlanda Frauenverlag, Berlin, 2001, 222 S., 15,50 € - ISBN 3-929823-80-2

Rezension von: Paul-Werner Schreiner

Die Reproduktionsmedizin ist immer einmal wieder in den Schlagzeilen, aber nie sehr anhaltend - 1978 war es die Nachricht von der Geburt des (vorgeblich) ersten in vitro gezeugten Kindes, später einmal die Nachricht davon, daß in England tiefgefrorene Embryonen zerstört werden sollten, heute liest man immer einmal wieder etwas über die Ankündigung, in der Humanmedizin das zu tun, was in der Veterinärmedizin wenn nicht Routine, dann doch zumindest Gang und Gäbe ist - das Klonen, nicht nur zu therapeutischen Zwecken, sondern auch in reproduktiver Absicht. Während gegen "grüne" Gentechnik in einem gewissen Maße nicht ohne Erfolg mit den Füßen abgestimmt wird, funktioniert die "rote" Gentechnik und im besonderen die Reproduktionsmedizin, weil allem öffentlich vorgetragenen Protest zum Trotz Nachfrage besteht und diese, weil ungewollte Kinderlosigkeit gesellschaftlich mit einem Makel behaftet und so weitgehend tabuisiert ist, in aller Stille befriedigt wird.

Die Autorin des vorliegenden Buches ist Biologin und seit vielen Jahren u.a. als Redakteurin des Gen-ethischen Informationsdienstes (GID) in Berlin an der kritischen Debatte über die Entwicklung der Biotechnologie involviert. In fünf Kapiteln hat sie eine Fülle von einerseits sachlichen Informationen und andererseits auch kritischen Reflexionen zu verschiedenen Aspekten der Fortpflanzungsmedizin zusammengetragen. Den Ausführungen ist ein Vorwort der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer vorangestellt, die den Spielarten der Reproduktionsmedizin gegenüber stets eine sehr restriktive Haltung eingenommen hat.

In dem ersten und umfangreichsten Kapitel wird über das Phänomen "Ungewollte Kinderlosigkeit" sowie über die Angebote der Fortpflanzungsmedizin und die Chronologie dieses Teilbereiches der Medizin informiert. Fortpflanzung ist üblicherweise eine Sache von Paaren; gleichwohl sind es die Frauen, die in erster Linie von fortpflanzungsmedizinischen Maßnahmen betroffen sind. So spielen auch die nach wie vor geringe Erfolgsrate und das ungenügende Zahlenmaterial sowie die Belastungen und das dadurch bedingte Leid vor allem der betroffenen Frauen in der Darstellung der Kritik an der Reproduktionsmedizin eine nicht geringe Rolle. Wie sich die Rolle von Mutter und Vater bzw. Frau und Mann durch die Technisierung der Reproduktion(smedizin) verändert, wird, wie dies insgesamt in der Diskussion über dieses Thema nicht von besonderem Interesse ist, leider auch von Sabine Riewenherm nicht weiter thematisiert.

Das zweite Kapitel ist der ungewollten Kinderlosigkeit bei Lesben und Schwulen gewidmet. Die Autorin zeigt hier auf, daß in der gesellschaftlichen Diskussion über ungewollte Kinderlosigkeit und Reproduktionsmedizin der Kinderwunsch bei heterosexuellen Paaren ganz anders bewertet wird als der bei homosexuellen. In diesem Abschnitt wird ausführlich über das Procedere informiert, wie eine lesbische Frau zu einem Kind kommen kann und wie ungleich schwieriger sich dies bei einem schwulen Mann gestaltet; Themen sind die Samenbank, Leihmutterschaft, das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung. Gerade im Zusammenhang mit dem Kinderwunsch bei gleichgeschlechtlichen Paaren wäre eine Erörterung des Phänomens "Wunschkind", das ja ein sehr neuzeitliches ist, sinnvoll gewesen, ebenso eine Reflexion über die Konsequenzen der Trennung von Reproduktion und Sexualität.

Im dritten Kapitel geht es um einen Bereich der Biomedizin, der zwar nicht unmittelbarer Teil der Reproduktionsmedizin, aber zumindest in seinen aktuellen Varianten nicht davon zu trennen ist, die Pränataldiagnostik. Schon die Verfahren der etablierten Pränataldiagnostik, aber noch sehr viel mehr die neueste und derzeit heftig umstrittene Spielart, die Präimplantationsdiagnostik (PID), der das vierte Kapitel gewidmet ist, haben mit der Reproduktionsmedizin gemein, daß das Vorliegen der Eizelle außerhalb des weiblichen Körpers Grundvoraussetzung ist. Zweifelsfrei richtig ist, daß sich in der PID und der In-vitro-Fertilisation via Microinjektion zwei Technologien folgerichtig treffen.

Im fünften Kapitel werden schließlich das Klonen und die Embryonenforschung thematisiert, wobei noch einmal deutlich herausgestellt wird, daß keine der in diesem Buch diskutierten Techniken ohne Embryonenforschung denkbar ist. Eine Grenze findet dieses Geschehen in Deutschland an dem Embryonenschutzgesetz; die Regelungen dieses Gesetzes werden dargestellt.

Im einem abschließenden Kapitel zeichnet die Autorin den - vor allem feministischen - Widerstand gegen die und die feministische Diskussion über die Gen- und Reproduktionsmedizin nach. Dabei wird deutlich, daß die Haltung der Frauenbewegung zu den neuen Technologien nie einheitlich und geschlossen war. Es läßt sich aber eine Entwicklung aufzeigen: war in den Anfängen noch deutlich Widerstand gegen die Vermarktung und Medikalisierung des weiblichen Körpers auszumachen, steht heute mehr das Schicksal der ungewollt kinderlosen Frauen im Vordergrund, was u.a. daran erkennbar wird, daß auch Frauengesundheitszentren Beratung für betroffene Frauen anbieten; allerdings schließt diese Beratung auch das Nachdenken über Alternativen zu den Maßnahmen der instrumentellen Reproduktionsmedizin ein.

Das Buch von Sabine Riewenherm kann uneingeschränkt als Einführung in das Thema empfohlen werden. Daß es eine Betrachtung aus feministischer Sicht ist, sollte bedacht werden, ist aber in keiner Weise ein Nachteil.

Roche Lexikon Medizin (Rezension)
Roche Lexikon Medizin (Herausgegeben von der Hoffmann-La Roche AG und Urban und Fischer. Bearbeitet von der Lexikonredaktion des Urban und Fischer Verlags)Urban und Fischer Verlag. München, Jena 2003. 2080 S., 2.200 Abbildungen, Schemata und Tabellen, Fünfte, neu bearbeitete un