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Einblicke in die Kultur des begleiteten Sterbens (Rezension)

Einblicke in die Kultur des begleiteten Sterbens (Martin Menrad)Trauner Verlag, Linz (Österreich), 2009, 178 S., 19,80 €, ISBN 978-3-85499-614-9Rezension von: Dr. Hubert Kolling Aufgrund verschiedener Faktoren wie Friedenszeit, gestiegene Einkommen, höherer Lebensstandard, besser
25. Mai 2013 durch
Einblicke in die Kultur des begleiteten Sterbens (Rezension)
Andreas Lauterbach

Einblicke in die Kultur des begleiteten Sterbens (Martin Menrad)

Trauner Verlag, Linz (Österreich), 2009, 178 S., 19,80 €, ISBN 978-3-85499-614-9

Rezension von: Dr. Hubert Kolling

Aufgrund verschiedener Faktoren wie Friedenszeit, gestiegene Einkommen, höherer Lebensstandard, bessere Ernährungslage und so weiter hat sich unsere Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verlängert. Vor allem die späten Phasen sind dabei oft durch Krankheit und / oder Abhängigkeit von anderen Menschen gekennzeichnet. In modernen Gesellschaften findet der letzte Lebensabschnitt zudem immer häufiger im Rahmen einer institutionellen Pflege statt. Hierbei stellt sich die Frage, wie sich der Umgang mit der Würde pflegebedürftiger Personen vor dem Hintergrund einer Pflegeeinrichtung gestaltet beziehungsweise wie sie dort gewahrt bleiben kann.

Der Soziologe Martin Menrad nahm sich in einer qualitativen Studie dieser Forschungsfrage an und versuchte, basierend auf seinen Ergebnissen der teilnehmenden Beobachtung, am Beispiel einer Wiener Pflegeeinrichtung die Problematik der institutionellen Pflege von dementierenden Menschen zu beleuchten.

Die Studie, die an der Johannes-Kepler-Universität Linz im Rahmen einer von Prof. Dr. Meinrad Ziegler betreuten Diplomarbeit entstand, hat die folgenden Hauptgliederungspunkte:
1. Einleitung
2. Forschungsfragen
3. Methodische Grundlagen, Forschungsfeld und Forschungsablauf
4. Demenzielle Erkrankungen als Grundlage für soziales Sterben
5. Institutionalisierung
6. Pflegepersonal
7. Dimensionen des Lebens und Sterbens des Individuums
8. Entwurf einer gegenstandsverankerten Theorie zur Kultur des begleitenden Sterbens
9. Resümee und Ausblick
10. Literaturverzeichnis
11. Abbildungsverzeichnis.

Unabhängig von dieser Gliederung hat der Autor seine Studie in vier Abschnitte unterteilt.

  • Nach der Einleitung umfasst der erste Abschnitt die Kapitel zwei und drei mit der konkreten Herangehensweise an seine Untersuchung. Hierzu präsentiert er die zugrunde liegende Fragestellungen und weist auf ihren theoretischen Hintergrund hin. Antworten auf seine zentrale Fragestellung - "Wie gestaltet sich der Umgang mit der Würde pflegebedürftiger Personen vor dem Hintergrund einer institutionellen Einrichtung?" (S. 11) - möchte Martin Menrad dabei durch die Klärung weiterer Fragen in der institutionellen Pflege gewinnen:
    - Welche Spannungen ergeben sich im Umgang der Pfleger/innen mit den Bewohnern/-innen und wie wird ihnen in der konkreten Pflegesituation begegnet?
    - Was betrachtet das Pflegepersonal als würdevollen Umgang mit pflegebedürftigen Personen?
    - Was kennzeichnet würdevollen Umgang mit pflegebedürftigen Personen? (S. 12).
    Sodann folgen methodische Grundlagen der "Grounded Theory" sowie eine Darstellung des Forschungsfeldes und des Ablaufes der Arbeitsschritte.
  • Der zweite Abschnitt umfasst die Kapitel vier bis sieben und stellt den theoretischen Rahmen der bearbeiteten Thematik dar.
  • Der dritte Abschnitt entspricht Kapitel acht, in dem eine gegenstandsverankerte Theorie der Kultur des begleiteten Sterbens entworfen wird.
  • Im vierten Abschnitt, der Kapitel neun umfasst, folgen abschließende Betrachtungen vor dem Hintergrund der gewonnenen Erkenntnisse. Unter der schließenden Fragestellung "Endlich Leben?" wird ein Überblick über mögliche Interventionspunkte und Veränderungspotenziale präsentiert.

Die Analyse des Datenmaterials (Beobachtungsprotokolle und Gesprächsnotizen) und spätere Ausarbeitung in Form einer gegenstandsverankerten Theorie zeichnet das Bild eines ambivalenten Arbeitsfeldes. Als zentrales Phänomen konnte der Autor dabei die Beschleunigung des sozialen Sterbens im Umfeld der institutionellen Pflege unter Berücksichtigung auftretender (Demenz-)Erkrankungen der Bewohner/innen beobachten. Um die Pflegekräfte auf die Anforderungen des Pflegealltags ausreichend vorzubereiten, empfiehlt Martin Menrad das Aus- und Weiterbildungsangebot den tatsächlichen Ansprüchen des Pflegeberufes anzupassen. Notwendig sei auch "die Schaffung eines Bewusstseins, das der ganzheitlichen Pflege mehr Bedeutung zumisst und damit Wert auf die sozialen und emotionalen Aspekte der Pflege legt" (S. 142). Während eine Erhöhung des Images des Pflegeberufes beispielsweise durch höhere Entlohnung geschehen könne, bleibe fraglich, ob das Ansehen des Pflegeberufes durch politische Eingriffe gesteigert und damit die Berufszufriedenheit erhöht und Fluktuationsquoten gesenkt werden können.

Mit seiner ethnografischen Studie über Sterbebegleitung am Beispiel einer Wiener Pflegeeinrichtung gewährt Martin Menrad tiefe Einblicke in die Kultur des begleiteten Sterbens. Neben Pflegewissenschaftlern/-innen gehört das Buch in die Hände all derjenigen, die in entsprechenden Einrichtungen für (Demenz-)Erkrankte arbeiten.

"Und bist du nicht willig…" - Gewalt und Alter (Rezension)
"Und bist du nicht willig…" - Gewalt und Alter (Nübel, Gerhard und Bernd Meißnest (Hrsg.)) Mabuse-Verlag 2011, 89 Seiten, 17,90 Euro, ISBN: 978-3-940529-81-7Rezension von: Irmgard Hofmannm, MA Das LWL-Klinikum Gütersloh ist eine Einrichtung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe