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Gehrmann - Schluss mit der Demotivierung

Gehrmann, Gerd et al. Schluss mit der Demotivierung Handbuch für die Praxis Sozialer Arbeit, Motivationskiller erkennen, Arbeitsbedingungen verbessern, Lösungen schaffen. Walhalla Fachverlag, Regensburg, 2012, 152 S., 22,50 €, ISBN 978-3-8029-7515-8 In vielen Arbeitsverhältn
20. April 2015 durch
Gehrmann - Schluss mit der Demotivierung
Andreas Lauterbach

Gehrmann, Gerd et al.

Schluss mit der Demotivierung

Handbuch für die Praxis Sozialer Arbeit, Motivationskiller erkennen, Arbeitsbedingungen verbessern, Lösungen schaffen.

Walhalla Fachverlag, Regensburg, 2012, 152 S., 22,50 €, ISBN 978-3-8029-7515-8

In vielen Arbeitsverhältnissen treffen die dort Tätigen auf Hindernisse und Probleme, die ihre Motivation untergraben wenn nicht zerstören. Hierzu gehören bürokratische Organisationsstrukturen, ein schlechtes Betriebsklima und unzureichende Personalführung ebenso wie Überlastung durch Personalknappheit oder durch mangelnde Ausstattung an Arbeitsmitteln. Doch die Aufzählung lässt sich leicht erweitern: Mangelnde Kommunikation, unangemessene Bezahlung, Konflikte, Hierarchien, berufliche Risiken oder unübersichtliche Prozesse und Verantwortlichkeiten können die Motivation von Angestellten ebenso zunichtemachen. In der Konsequenz führen solche Hindernisse und Probleme bei Betroffenen zum Nachlassen der Arbeitsmotivation, zu innerer Kündigung, zu Burn-out. Über diesen Zusammenhang schreiben die Autoren, deren Buchtitel in packenden Schlagworten formuliert ist. Zwei der Autoren lehrten am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der FH Frankfurt/Main, der dritte Autor ist Diplom-Sozialarbeiter und Vorsitzender eines Jugendhilfeträgers.

Die Verfasser richten sich mit ihrem Werk an „Betriebe“ und „leitende Angestellte“ sozialer Dienste und der öffentlichen Verwaltung (10). Als Ziel geben sie die Verbesserung der Arbeitsergebnisse mittels Entwicklung der Unternehmenskultur und durch Förderung der Motivation der Mitarbeiter an. Hierzu identifizieren die Autoren acht „Motivationskiller“ (Titel des Buches): Personalführung, Organisationsstrukturen/Bürokratie, Organisationskultur, Ausstattung des Arbeitsplatzes, Verweigerung angemessener Entlohnung, Arbeitsüberlastung, berufliche Risiken sowie interpersonale Konflikte/Mobbing. Die ‚Motivationskiller‘ sind in acht Kapiteln beschrieben, von denen jedes Beispiele aus Arbeitsplatzsituationen und ein Fazit enthält. Eingeführt werden sie durch ein Kapitel über die „Vergeudung der Ressource Arbeitskraft“ (15). Den Abschluss des Buches bilden 20 Regeln für „Demotivierung im Beruf“ (145) sowie Gedanken über „eine generationenübergreifende Zerstörung von Arbeitsmotivation“ (147). Da das Werk auf wenigen Seiten einen Überblick, reflektierende Gedanken und treffende Fazits zu Problemen der Demotivierung durch Arbeitsbedingungen gibt, ist es für die Zielgruppe als Handbuch brauchbar.

Das Buch enthält jedoch – das geben die Autoren selbst an – kaum neue Erkenntnisse zum Thema, da Ausführungen zur behandelten Problematik „längst allgemeines Gedankengut geworden sind“ (144).

Was also macht das Buch lesenswert? Die Antwort der Autoren lautet: seine Schreibweise, denn es sei „in provozierendem Sarkasmus“ geschrieben (145). Hier liegen jedoch drei Probleme des Buches. Zum einen wird der Sinn des Gebrauchs der sarkastischen Schreibweise nicht deutlich. Die Kapitel über die ‚Motivationskiller‘ gehen immer wieder aus der Beschreibung und Analyse eines Problems in Sarkasmus über. Dieser Schritt geschieht uneinheitlich und unvermittelt, sodass sein Zweck nicht einsehbar ist. Zum anderen wird der Sarkasmus nicht zielgerichtet und pointiert eingesetzt. Etwa bei der Aussage „Sollen Mitarbeiter effektiv demotiviert werden, so sind Konflikte zu fördern.“ ist fraglich, welchen Zweck sie erfüllt (131). Dies führt dazu, dass eine Unterscheidung zwischen Sarkasmus und Resignation kaum zu treffen ist. Der Gebrauch des Sarkasmus führt gar zu Hohn, wenn die Autoren schreiben, dass Vorgesetzten nicht nur „aus strafrechtlichen Gründen“ abzuraten sei, „Mobbing aktiv selbst zu betreiben“, sondern auch, weil dies „Mitarbeiter sehr gut selbst leisten“ könnten (131). Der hier ausgedrückte Hohn nimmt der Kritik ihre Grundlage und versperrt die Erkenntnis, wie Mobbing zu begegnen und zu bekämpfen ist. Dies führt zum dritten, grundsätzlichen Problem des Stilmittels. Sarkasmus ist beißender, verletzender Spott. Mit Spott aber ist dem, was die Autoren kritisieren, nicht beizukommen. Zwar ist er in Anbetracht des Motivs der Verfasser, „Ärger“ auszudrücken, verständlich (10). Doch ist er für ein Handbuch ungeeignet und dürfte bei den eingangs genannten Hindernissen und Problemen, insbesondere bei Überlastung, Burn-out oder Mobbing, für die Zielgruppe nicht hilfreich sein.

Eine Rezension von Dr. Björn Oellers

 

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