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Hirntod, Organtransplantation und Pflege (Rezension)

Hirntod, Organtransplantation und Pflege (Conrad, Joachim und Maria Feuerhack)Mabuse Verlag, Frankfurt, 2002, 234 S., 22,00 € -ISBN 3-933050-96-0Rezension von: Paul-Werner Schreiner Die Diskussion um Organtransplantationen ist etwas ruhiger geworden, auch wenn die im Vorfeld de
25. Mai 2013 durch
Hirntod, Organtransplantation und Pflege (Rezension)
Andreas Lauterbach

Hirntod, Organtransplantation und Pflege (Conrad, Joachim und Maria Feuerhack)

Mabuse Verlag, Frankfurt, 2002, 234 S., 22,00 € -ISBN 3-933050-96-0

Rezension von: Paul-Werner Schreiner

Die Diskussion um Organtransplantationen ist etwas ruhiger geworden, auch wenn die im Vorfeld der Verabschiedung des derzeit in Deutschland geltenden Transplantationsgesetzes heftig umstrittenen Probleme nicht wirklich gelöst sind. Unabhängig davon, wie man persönlich zur Organtransplantation steht, wird man aber zur Kenntnis nehmen und auch respektieren müssen, dass es einen breiten gesellschaftlichen Konsens darüber gibt, dass die Verpflanzung von Organen in dieser Gesellschaft zu den Verfahren medizinischen Handelns zählen soll. In dem vorliegenden Buch werden die Ergebnisse von zwei Untersuchungen, die im Rahmen des Studiums der Pflegepädagogik bzw. des Pflegemanagements an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen durchgeführt wurden, zusammengeführt. Es handelte sich
  • zum einen um ein qualitatives Forschungsprojekt, bei dem zwölf Pflegende und ein in der Pflege tätiger Medizinstudent aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen bezüglich ihrer Einstellung zur Transplantationsmedizin befragt wurden;
  • zum anderen um ein quantitatives Forschungsprojekt, bei dem 123 Pflegende aus drei Kliniken der Maximalversorgung einen Fragebogen zur Situation in den Intensivstationen und Funktionsdiensten ausfüllen sollten, wobei es im Besonderen um die Problematik der Pflege von Menschen ging, bei denen der Hirntod festgestellt worden war.

Zunächst ist zu anzumerken, dass dem Buch ein deutlich besseres Lektorat zu wünschen gewesen wäre: Die Kapitelnummerierung im Inhaltsverzeichnis ist nicht identisch mit den Nummern in den Kapitelüberschriften; Hochzahlen und Fußnoten stimmen an mehreren Stellen nicht überein, eine Hochzahl taucht z.B. im Text doppelt, in der Fußnote korrekt durchnummeriert auf (Hochzahl 36); nach der Hochzahl 42 folgt z.B. die Hochzahl 37, ohne dass diese in der Fußnote erscheint; es gibt zahlreiche Schreibfehler, vor allem Groß- und Kleinschreibung ist ein Problem; an einigen Stellen sind Druckzeilen übereinander geschoben, so dass sie nicht zu lesen sind (z.B. S. 153); ebenfalls eine Formalie, wenn auch nicht vom Lektorat, sondern von den Autoren zu verantworten: Auf Seite 126 wird ein Zitat aus einer Sekundärquelle zitiert (Zitat aus Zitat), obwohl die Originalquelle der Aufsatz in einer Krankenpflegezeitschrift war und für die Autoren eigentlich unproblematisch hätte zugänglich gewesen sein müssen - das Peinliche daran ist, dass der Name des Erstautors der zitierten Arbeit entweder schon in der Sekundärquelle falsch angegeben war oder von den Autoren des vorliegenden Buches falsch abgeschrieben wurde - zudem wird das Zitat aus einem Zitat nicht korrekt ausgewiesen (zit. n. ...); ich habe mir nicht die Mühe gemacht, die übrigen Zitate zu überprüfen. Diese formalen Mängel sind in der Summation schon ärgerlich.

Aber zu dem Buch: Nach der Einleitung ist ein Kapitel mit "Entwicklung der Transplantationsmedizin" überschrieben. Die Entwicklung beginnt für die Autoren Ende der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, was natürlich nicht zutreffend ist; das was heute als Transplantationsmedizin bezeichnet wird, hat ideengeschichtlich sehr viel ältere Wurzeln, auch die ersten Versuche datieren aus früherer Zeit. Es wird schon in diesem Kapitel die Harvard-Erklärung zum Hirntod als wesentliche Voraussetzung des Transplantationswesens hervorgehoben, auch wenn diese eigentlich erst Gegenstand des nächsten Kapitels ist. Hier wird nun die Hirntoddiagnostik genau beschrieben; es wird leider nicht darauf eingegangen, dass die erste Herztransplantation zwar Anlass für die Formulierung der Harvarderklärung war, nicht aber Ursache. Die Diskussion über die Hirntodproblematik bleibt einseitig, wenn nicht gesehen wird, dass die Ursache für die Neubestimmung des Todeseintrittszeitpunktes die Aufweichung der über lange Zeit (allerdings auch nicht schon immer und schon gar nicht naturgesetzlich) gültigen und durch Atem- und Herzkreislaufstillstand gekennzeichneten Grenze des Lebens war. In dem sich hieran anschließenden Kapitel werden einige Elemente der Kritik an dem Hirntodkriterium und verschiedene in der Gesellschaft vertretene Positionen, z.B. die der Kirchen, referiert, wobei die Gleichsetzung von Ausfall der Hirnfunktion und Tot-Sein im Mittelpunkt steht, was sicherlich auch dadurch bedingt ist, dass Pflegende in der Tat nicht nachvollziehen können, dass der Mensch, an dem sie noch Zeichen des Lebens beobachten, tot sein soll. Leider gehen die Autoren nicht der Frage nach, weshalb diese unstrittig problematische Gleichsetzung in den Gesetzestext geraten ist und man sich nicht mit einem Entnahmekriterium begnügt hat. Aufzuzeigen wäre hier gewesen, dass dies eine Forderung der Transplantationschirurgen war, die erhoben wurde, weil die Chirurgen sich nicht dem Vorwurf der Vivisektion ausgesetzt sehen wollten. Es wäre hier kritisch darauf aufmerksam zu machen gewesen, dass die Medizin mit der Möglichkeit der Organtransplantation in einen Bereich zwischen Leben und Tod vordringt, der mit der herkömmlichen Terminologie nicht mehr sicher zu fassen ist und dass vor allem der hierbei deutlich werdende Konflikt eben nicht mit einer Begriffsneudefinition aus der Welt zu schaffen ist. Die Autoren referieren die verschiedenen Positionen leider nur, überprüfen aber nicht deren Plausibilität bzw. zeigen nicht auf, welche klammheimlichen Prämissen bei welcher Argumentation mitgeschleppt werden. Dabei würde deutlich werden, dass die Organtransplantation gesellschaftlich gewollt ist, weil zum einen eine Industrie an diesem Geschehen gut verdient und zum anderen eine breite Mehrheit hinter einer Medizin steht, die alles unternimmt, um das Sterben eines Menschen zu verhindern. Diese zentrale Voraussetzung der Diskussion über das Transplantationswesen findet weder Erwähnung, noch wird sie problematisiert. Ebenso werden die ethischen Probleme der Organtransplantation wie die Allokation der Organe zwar einmal erwähnt, aber nicht weiter vertieft; das Gleiche gilt für das Prinzip des Nicht-Schadens - was wird z.B. durch eine lebenslange Immunsuppression ausgelöst. Es wäre auch einmal zu diskutieren, wie unter dem Gesichtspunkt der Patientenautonomie der Umstand zu werten ist, dass die Menschen nach einer Transplantation lebenslang in lückenloser ärztlicher Überwachung leben müssen. Und schließlich wäre darüber nachzudenken, was aus den noch nicht realisierten, aber in greifbare Nähe gerückten Möglichkeiten (Stammzellen, Xenotransplantation usw.) - man kann getrost von einer Ersatzteillagermedizin sprechen - für die Bewertung der etablierten Organtransplantation resultiert. Die Reduzierung der Transplantationsproblematik auf die etablierten Therapiemöglichkeiten sowie die der ethischen Problematik der Organtransplantation auf die Hirntodfrage ist jedenfalls der Sache nicht angemessen.

Die beschriebene und zu kritisierende Einengung des Themas zieht sich durch die folgenden Kapitel durch: Es wird die Entstehung des deutschen Transplantationsgesetzes beschrieben; in einem weiteren Kapitel wird die Situation der Pflege bei der Betreuung von Menschen, bei denen der Hirntod festgestellt wurde, unter dem Gesichtspunkt der Pflege-Ethik, der Pflege-Theorie und der Pflege-Praxis aufgegriffen, wobei die Ausführungen zur Pflege-Ethik und -Theorie nicht sehr erschöpfend sind. Es folgen die Ergebnisse der beiden Forschungsprojekte, die keine Überraschungen bieten. Als Entlastungsmöglichkeiten werden Supervisionsveranstaltungen und ein Einbeziehen der Thematik in das Lehrangebot auf verschiedenen Ebenen gefordert. Es werden schließlich einige Lehrpläne, die es für die Ausbildungsgänge in den Pflegeberufen gibt, untersucht, welches Gewicht darin dem Thema "Organtransplantation" beigemessen wird - das Ergebnis ist eher ernüchternd; verwundern muss, hier ist den Autoren beizupflichten, dass ausgerechnet in Lehrplänen für die Weiterbildung "Anästhesie/Intensivmedizin" das Thema geradezu stiefmütterlich behandelt wird. Im letzten Kapitel unterbreiten die Autoren Vorschläge für die Integrierung des Themas "Organtransplantation" in die Aus-, Fort- und Weiterbildung in den Pflegeberufen. Die aufgezeigte thematische Einengung des Buches spiegelt sich auch im Literaturverzeichnis wider; das keineswegs aktuell ist.

Dem Resümee der Autoren, dass der Gleichsetzung von Hirntod und Tot-Sein seitens der Pflege nicht gefolgt werden kann, ist zuzustimmen. Nur die Problematik der Organtransplantation beschränkt sich nicht darauf; daher bleibt auch die in dem Buch formulierte Kritik oberflächlich. Wer in die Kritik an dem Hirntodkriterium einstimmt, muss etwas dazu sagen, nach welchen Kriterien medizinisches Handeln z.B. in High-Tech-Intensivstationen angesichts der dort gegebenen Möglichkeiten, die Grenze am Lebensende zu verschieben, begrenzt werden soll; und wer das Hirntodkriterium auch als Organentnahmekriterium nicht akzeptieren kann, muss etwas zu der Option der Organtransplantation sagen - und damit zu einer zentralen Doktrin unserer Gesundheitsversorgung, dass nämlich Leben auf jeden Fall zu erhalten ist. Das oberflächliche Kritisieren der hinlänglich bekannten Inkonsistenzen des Hirntodkriteriums ist zum einen unglaubwürdig und bleibt notwendig wirkungslos.

Hinsichtlich der auf die Hirntodfrage eingeengten Perspektive des Buches bieten die beiden Forschungsprojekte einige interessante, aber nicht überraschende Aspekte - sowohl in qualitativen als auch in quantitativen Untersuchungen sind die Ergebnisse stets von der Fragestellung abhängig. Als Einführung in die Themenbereiche "Hirntodproblematik" und "Organtransplantation" ist das Buch in meinen Augen ungeeignet.

Abgeführt<br> Unter Mitarbeit von Angelika Abt-Zegelin (Rezension)
Abgeführt Unter Mitarbeit von Angelika Abt-Zegelin (Cölfen, Hermann und Sabine Walter)Verlag Hans Huber, Bern, 2000, 288 S., 18,00 DM - ISBN 3-456-83450-0Rezension von: Dr. Andreas Gerlach Freitag morgens um fünf ist die Welt für Annika Meinke, Krankenschwester, Video-Freakin, "