
Wolff, Horst-Peter
Johannes Benjamin Brennecke (1849-1931)
Biographische Skizze eines frühen Magdeburger Gynäkologen und Sozialmediziners
Selbstverlag, Fürstenberg / Havel 2011, 2., überarb. und erw. Aufl, 171 S., ISBN 978-3-00-034024-6
Eine Rezension von Dr. Hubert Kolling
Johannes Benjamin Brennecke (1849-1931), Geheimer Sanitätsrat und Arzt, machte sich um die Reformierung des Hebammenwesens verdient. Nachdem er 1869 in Halle (Saale) Medizin studiert hatte, lieà er sich 1876 als erster Facharzt für Frauenheilkunde in Magdeburg nieder. 1877 in die Magdeburger Medizinische Gesellschaft aufgenommen, eröffnete er nach einer Tätigkeit an der Provinzial-Hebammenlehranstalt 1880 in Sudenburg eine Privatklinik, operierte jedoch auch im Kahlenbergstift. Brennecke setzte sich zeitlebens für eine Reformierung der Hebammenausbildung in Deutschland ein, wobei er unter anderem einen Beamtenstatus für Hebammen anstrebte. Neben einem gröÃeren Engagement des Staates in der Wochenbetthygiene forderte er auch die Schaffung von mehr geburtshilflichen Kliniken, wobei er selbst in Magdeburg das Wöchnerinnenasyl des Frauenvereins begründete, das zu einem Modell für mehrere andere Städte wurde. Brennecke, dem 1907 der Titel Geheimer Sanitätsrat verliehen wurde, gab mehrere Fachzeitschriften heraus und veröffentlichte eine Vielzahl von Beiträgen und Schriften, darunter âPraktische Regeln zur Sicherung eines gesundheitsgemäÃen Wochenbettverlaufs. Ein Mahnruf an das Publikum und die Hebammenâ (Magdeburg 1883), âBauet Wöchnerinnenasyle!â (Magdeburg 1884, 2. Auflage 1885), âHebammen oder Diakonissen für Geburtshilfe? Eine Kritik des Hebammenwesensâ (Leipzig, Neuwied 1884), âHebammenschule und Wöchnerinnenasyl in Magdeburgâ (Magdeburg 1897), âFreiheit! Ein offenes Wort zur sexuellen Frage an Deutschlands Jugendâ (Magdeburg 1908), âDie Kreis-Entbindungsanstalt und ihre grundlegende Bedeutung für Mutter- und Säuglingsschutzâ (Magdeburg 1917).
Bereits in den 1960er Jahren begann der Pflege- und Medizinhistoriker Dr. paed. Horst-Peter Wolff damit, Daten für eine etwas umfangreichere biographische Würdigung Brenneckes zu sammeln, von denen damals aber nur zwei Aufsätze erschienen. 2007 veröffentlichte er dann eine umfangreiche âBiographische Studie über den ersten Frauenarzt der Stadt Magdeburg, einem Praktiker der sozialen Gynäkologieâ, die nun in zweiter, überarbeiteter und erweiterter Auflage unter dem Titel âJohannes Benjamin Brennecke (1849-1931). Biographische Skizze eines frühen Magdeburger Gynäkologen und Sozialmedizinersâ vorliegt.
Die jüngste Schrift von Horst-Peter Wolff, der pflege- und medizingeschichtlich interessierten Leserschaft durch zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften sowie die Veröffentlichung und Herausgabe von Büchern â darunter (gemeinsam mit Jutta Wolff) âGeschichte der Krankenpflegeâ (Basel, Eberswalde 1994), âStudien zur deutschsprachigen Geschichte der Pflegeâ (Frankfurt am Main 2002), âBiographisches Lexikons zur Pflegegeschichteâ (Band 1: Berlin, Wiesbaden 1997; Band 2: München, Jena 2001; Band 3:München 2004), (mit Arno Kalinich) âZur Geschichte der Krankenhausstadt Berlin-Buchâ (2., überarbeitete und erweiterte Auflage, Frankfurt am Main 2006), (gemeinsam mit Jutta Wolff) âKrankenpflege: Einführung in das Studium ihrer Geschichteâ (Frankfurt am Main 2008), âAkteure des Gesundheitswesens in der Geschichte Magdeburgsâ (Fürstenberg / Havel 2008) â bestens bekannt, gliedert sich nach einem Vorwort (S. 5) in die folgenden Kapitel:
-         Das familiäre Umfeld (S. 7-30)
-Â Â Â Â Â Â Â Â Â Studium und Ausbildung zum Facharzt (S. 31-44)
-Â Â Â Â Â Â Â Â Â Praxis als Frauenarzt in Magdeburg (S. 45-61)
-Â Â Â Â Â Â Â Â Â Sozialmediziner PreuÃens (S. 61-92)
-Â Â Â Â Â Â Â Â Â Christlicher Ethiker und Philosoph (S. 92-105)
-         Lebensausklang â Resümee (S. 106-114)
-Â Â Â Â Â Â Â Â Â Anhang (S. 115-147).
Ergänzt wird die profunde, mit einem soliden Anmerkungsapparat ausgestattete Darstellung durch ein Literatur- und Quellenverzeichnis (S. 147-159), das auch eine Zusammenstellung der Publikationen von Johannes Brennecke enthält (S. 149-154), ein Quellenverzeichnis der Abbildungen (S. 159-162) sowie ein Personenverzeichnis (S. 163-171). Der Anhang dokumentiert den Beitrag von Johannes Brennecke âUeber die vaginale Totalextirpation des Uterusâ (S. 115-133), das âStatut des Magdeburger Hebammen-Vereinsâ (S. 134-139) und âBrenneckes Lebenslauf tabellarischâ (S. 140-147).
In seinem Vorwort nimmt der Autor bezug auf die erste Auflage des Buches, die über die Grenzen Magdeburgs hinaus auf Interesse gestoÃen sei. Zugleich sei der Wunsch geäuÃert worden, die Studie einerseits nach der genealogischen Seite weiter zu ergänzen und sie andererseits noch stärker, als schon geschehen, zu illustrieren. Wörtlich führt er weiter aus: âAus Anlass seines 80. Todestages wird mit der hier vorgelegten weiteren Auflage der Darstellung des Lebens und Wirkens von Johannes BRENNECKE versucht diesem Wunsch nachzukommen. Sie erhielt über das Medizingeschichtliche hinaus â das es namentlich mit den Bauzeichnungen der Brenneckeschen Privatklinik zu ergänzen gelang â eine etwas stärkere allgemein sozial- und kulturgeschichtliche Akzentuierung, die eventuell nicht nur die medizinhistorisch interessierten Leser ansprechen könnteâ (S. 5).
Seinem selbst gewählten Anspruch wird Horst-Peter Wolff in jeder Beziehung gerecht. So hat er nicht nur den Umfang des Buches von ehemals 147 auf nunmehr 171 Seiten erweitert, sondern auch die Zahl der Abbildungen von 73 auf 95. Die überregionale Bedeutung, die dem Frauenarzt und Praktiker der Sozialen Gynäkologie zukommt, hat er insbesondere in den beiden Kapiteln âSozialmediziner PreuÃensâ und âChristlicher Ethiker und Philosophâ eindrucksvoll herausgearbeitet. Die Veröffentlichung der überarbeiteten und erweiterten Auflage ist sehr zu begrüÃen, weil sie das Leben und Wirken von Johannes Benjamin Brennecke noch umfangreicher und breiter dokumentiert als bisher. Besondere Anerkennung gebührt dem Autor insbesondere dafür, dass er seine Studie erneut â trotz der Aufbringung erheblicher finanzieller Eigenmittel â im Selbstverlag veröffentlicht hat. Wer sich mit der Geschichte beziehungsweise der Entwicklung der Frauenheilkunde und der Hebammenausbildung in Deutschland im Verlauf vom 19. zum 20. Jahrhundert beschäftigt, kann an der vorliegenden Arbeit von Horst-Peter Wolff jedenfalls nicht vorbeigehen.