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Globale politische Veränderungen und ihre Bedeutung für die Pflegepädagogik - Analyse internationaler Fallvignetten

Posterpräsentation
Ort: Posterausstellung 14.09.26, 14:40 - 14.09.26, 14:50 (Europe/Zurich) (10 Minuten)
Autor:in
Dr. Melanie Breznik
Fachhochschule Kärnten
Co-Autor:innen: Isabella Wilhelmer, Fachhochschule Kärnten
Referent:innen
Referentin 1

Beschreibung

Einleitung

Politische Verschiebungen zu populistisch geprägter Regierungsführung verengen öffentliche Diskurse und zentralisieren Autorität. Foucault (2001) beschreibt dadurch entstehende „Rituale der Wahrheit“, die abweichende Stimmen unterdrücken und Handlungsspielräume begrenzen (Foucault, 2001). Für die Pflege bedeutet dies ein Spannungsfeld zwischen der ethischen Verpflichtung zum Widerspruch und realer struktureller Ohnmacht. Obwohl der ICN-Ethikkodex (2021) „advocacy“ als professionelles Gebot verankert, fehlen in vielen Kontexten organisationale und politische Voraussetzungen, um ethische Verantwortung wirksam umzusetzen. Daher gewinnen bei diesen gegenwärtigen Entwicklungen Konzepte wie „Parrhesia“ – das furchtlose Wahrsprechen (Moreno-Mulet et al., 2025) – neue Relevanz.

Methode

Sechs international verortete Fallvignetten wurden entwickelt und mithilfe des James Rest’s Model of Components for Ethical Behavior (Rest, 1986) analysiert.

Ergebnisse

Politische Dynamiken beeinflussen die Fähigkeit und Bereitschaft von Pflegepersonen, ethisch richtig zu handeln und Verantwortung dafür zu übernehmen („moral agency“): In den USA mindert Misstrauen gegenüber staatlicher Datennutzung Vertraulichkeit und Zugang zur Versorgung, während ländliche Notaufnahmen unter Versorgungsdefiziten vulnerabler Gruppen leiden. Personalknappheit und Überlastung gefährden dort sowohl Pflegequalität als auch Reflexionsräume. In Österreich wird die Debatte um eine Rückkehr zu diplombasierten Ausbildungswegen als Rückschritt für Autonomie, kritisches Denken und Patient*innensicherheit bewertet. Japanische Erfahrungen aus Katastrophenszenarien verdeutlichen die Dringlichkeit ethischer Handlungskompetenz in Bildung und Politik.

Diskussion und Schlussfolgerung

Pflegepädagog*innen müssen politische, ökonomische und regulatorische Einflussfaktoren auf professionelles Handeln und berufliche Sozialisation in die Lehre einfließen lassen. Dadurch werden Auszubildende befähigt, die Auswirkungen von Finanzierungslogiken und Regierungsstrukturen auf ethisches Handeln zu reflektieren. Werden Bildungswege primär arbeitsmarktorientiert gestaltet, drohen Deprofessionalisierung und Verschiebungen moralischer Verantwortung auf Einzelne. Eine politisch geschützte, finanziell abgesicherte Hochschulbildung ist Voraussetzung, um Parrhesia und kollektive Handlungskompetenz zu fördern – und damit eine Pflegepraxis zu fördern, die ethischen Prinzipien nicht nur folgt, sondern sie aktiv verteidigt.

Literatur

  • Foucault, M. (2001). Fearless Speech. Semiotext(e)
  • International Council of Nurses (2021). The ICN Code of Ethics for Nurses: Revised 2021. International Council of Nurses. https://www.icn.ch/sites/default/files/2023-06/ICN_Code-of-Ethics_EN_Web.pdf
  • Moreno-Mulet, C., Valdivielso-Navarro, J., Miro-Bonet, M., Carrero-Planells, A. & Gastaldo, D. (2025). Transgressive acts: Michel Foucault's lessons on resistance for nurses. Nursing Philosophy, 26(1), e70008. https://www.doi.org/10.1111/nup.70008
  • Perron, A. (2013). Nursing as “disobedient” practice: Care of the nurse’s self, parrhesia, and the dismantling of a baseless paradox. Nursing Philosophy,14(3),154–67. https://doi.org/10.1111/nup.12015