Zum Inhalt springen

Stärkung der professionellen Identitätsbildung in der medizinischen Ausbildung durch reflektierende und praxisorientierte Hinweise

Posterpräsentation
14.09.26, 10:00 - 14.09.26, 20:00 (Europe/Zurich) (10 Stunden)
Autor:in
Wolfram Arends
Akademische Lehrpraxis des Institut für Allgemeinmedizin der Ludwig Maximilians Universität München

Beschreibung

Problembeschreibung/Zielsetzung
Die Entwicklung einer professionellen Identität (Professional Identity Formation, PIF) ist ein zentraler Bestandteil der medizinischen Ausbildung, wird im formalen Curriculum jedoch häufig nur implizit adressiert. Fachwissen allein bereitet Studierende nicht ausreichend auf die sozialen, ethischen und kommunikativen Anforderungen des ärztlichen Alltags vor. Ziel dieses Projekts war es, implizite Erwartungen ärztlichen Handelns sichtbar zu machen und Medizinstudierende in ihrer professionellen Identitätsbildung gezielt zu unterstützen.

Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden
Es wurden 33 kurze, praxisnahe Hinweise entwickelt, die zentrale Aspekte ärztlicher Haltung, Kommunikation und Zusammenarbeit adressieren. Grundlage bildeten eine narrative Literaturrecherche zur PIF, langjährige klinische und didaktische Erfahrung sowie informelle Rückmeldungen von Medizinstudierenden in Famulaturen, Blockpraktika und Seminaren der Allgemeinmedizin. Die Hinweise wurden fünf Themenbereichen zugeordnet: Patientenkommunikation und Empathie, Teamwork und kollegiales Verhalten, Selbstmanagement und persönliche Entwicklung, Professionalität und Fachwissen sowie allgemeine Verhaltensregeln. Die Arbeit ist konzeptionell und explorativ; eine systematische empirische Evaluation erfolgte bislang nicht.

Ergebnisse
Die 33 Hinweise bieten Studierenden eine niedrigschwellige Orientierung im klinischen Alltag und fördern die Reflexion über eigene Erfahrungen, Werte und Rollenverständnisse. Sie machen Elemente des Hidden Curriculum explizit, unterstützen den Umgang mit Hierarchien und interprofessioneller Zusammenarbeit und regen zur selbstkritischen Auseinandersetzung mit Fehlern, Kommunikation und Selbstfürsorge an.

Diskussion
Der normative Charakter der Hinweise erfordert einen sensiblen und kontextabhängigen Einsatz. Sie sind nicht als verbindliche Regeln, sondern als diskussionsoffene Reflexionsanlässe zu verstehen. Die fehlende empirische Validierung stellt eine Limitation dar; eine strukturierte Evaluation zur Akzeptanz und Wirksamkeit erscheint sinnvoll.

Take home messages
Die 33 Hinweise stellen ein praxisnahes, niedrigschwelliges Instrument zur Förderung der Professional Identity Formation dar. Sie eröffnen Reflexionsräume, machen implizite Erwartungen ärztlichen Handelns sichtbar und können Studierende gezielt auf die sozialen, ethischen und kommunikativen Anforderungen des ärztlichen Berufs vorbereiten.