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Wie sich Praxislehre professionalisiert - Empirische Ergebnisse zur Gestaltung von Didaktik, Wissenschaft und Lehrerhabitus in der Pflegepraxis
Beschreibung
Einleitung
Der Beitrag ist im Themenfeld „Lehren, Lernen & Kultur“ verortet. Die Forschungsarbeit untersucht die Qualifikations- und Professionalisierungsprozesse bei Praxisanleitungen. Der Vergleich von Bildung auf Masterniveau für Lehrpersonen an Schulen mit einer 300‑stündigen Qualifizierung für Praxisanleiter/-innen verweist auf eine Diskrepanz. Vor diesem Hintergrund erscheint die didaktisch-pädagogische Dimension der Praxislehre als eigenständiger Bildungsort bislang unzureichend entwickelt.
Hintergrund und Zielsetzung
Die pflegeberufliche Ausbildung soll theoretisches Wissen und praktische Kompetenz systematisch integrieren. PflBG und PflAPrV rahmen die Lernortkooperation und Kompetenzorientierung politisch. Die Arbeit erstellt eine empirische Analyse habitualisierter Praktiken von akademisch und beruflich qualifizierten Praxisanleiter/-innen in den Pflegesettings: akutstationär, ambulant und Langzeitpflege.
Methoden
Das Design folgt der Grounded-Theory-Methodologie. Auf Basis eines theoretischen Samplings wurden 19 Expert/-inneninterviews mit Praxisanleiter/-innen geführt. Die Auswertung orientierte sich am theoretischen Rahmenmodell nach Strauss (1994). Die rekonstruierten sozialen Codes wurden im mentalen Feld nach Alheit & Herzberg (2021) verortet. Drei identifizierte Diskursfelder illustrieren das heterogene Professionalisierungs- und Anleitungshandeln.
Ergebnisse
Es zeigen sich soziale Codes, die pflegewissenschaftliche, pflegepädagogische habituelle Praktiken und das berufliche Selbstverständnis sowie Wissensbestände strukturieren. Ein Teil der Praxislehrenden gestaltet evidenzbasierte Anleitungsprozesse und nutzt didaktische Konzepte. Der Großteil verbleibt in verrichtungs- und defizitorientierten Praktiken. Nur wenige Praxislehrende weisen ein pädagogisches Anleitungshandeln auf, zumeist in Verbindung mit einer akademischen Qualifizierung, während andere in tradierten Handlungsmustern verbleiben.
Diskussion und Ausblick
Die Ergebnisse zeigen die didaktische Unterrepräsentation der Praxislehre und einen erheblichen Qualifikations- und Professionalisierungsbedarf. Praxislehre wirkt je nach Verortung im mentalen Feld systemerhaltend oder transformierend. Die Verortungen im mentalen Feld eröffnen Möglichkeiten zur Professionalisierung von Lehrenden in der Pflegepraxis. Für „Lehren, Lernen & Kultur“ stellt sich die Frage, wie Praxislehre als eigenständiger Lernort pflegedidaktisch begründet, curricular stärker berücksichtigt und im Sinne einer gerechten, demokratischen und nachhaltigen Bildungskultur weiterentwickelt werden kann.
Literatur
- Alheit, P., & Herzberg, H. (2021). Das „mentale Feld“ als Forschungstool der qualitativen Pflegeforschung. In S. U. Nover & B. Panke-Kochinke (Hrsg.), Qualitative Pflegeforschung. Nomos Verlagsgesellschaft.
- Herzberg, H., Walter, A., & Alheit, P. (2022). Der „Generalistik-Diskurs“ im Feld der Pflege im Land Brandenburg. Schriftenreihe der BTU Cottbus-Senftenberg, 4.
- Strauss, A. L. (1994). Grundlagen qualitativer Sozialforschung (2. Aufl.). Wilhelm Fink Verlag.