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Berufswissenschaftliche Fundierung der Kompetenzen von OTA
Eine explorative Berufsanalyse im Berufsbild der Operationstechnischen Assistenz (OTA)
Beschreibung
Einleitung
Die Studie beschäftigt sich mit der berufswissenschaftlichen empirischen Fundierung der Kompetenzbeschreibungen von Operationstechnischen AssistentInnen (OTA).
Bisherige Ausführungen im Gesetzestext (ATA-OTA-G, 2022), der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (ATA-OTA-APfV, 2022), Rahmenlehrplänen und in schulinternen Curricula stellen Ergebnisse von Aushandlungsprozessen zwischen vorrangig lehrend Tätigen auf Basis subjektiver Sozialisationserfahrungen dar. Sie werden als normative Forderungen für Ausbildende wie Auszubildende verstanden und folgen zumindest formal dem indizierten Lernfeldfeldkonzept. Zudem ist der konkrete Einfluss beteiligter Institutionen, gesellschaftlicher, soziodemografischer wie soziökonomischer Entwicklungen und politischer Opportunitäten auf Handlungsfelder und Aufgaben dieses Berufsbildes unklar.
Die Kultusministerkonferenz (2021) hingegen formuliert, dass als Ausgangspunkte für die Entwicklung von Curricula und didaktischen Aufbereitungen zu vermittelnder Fachbezüge in kompetenzorientierten, berufsbezogenen Ausbildungen berufsspezifische Aufgaben- und Problemstellungen aus der beruflichen Praxis selbst zu entnehmen sind. Eben diese sind im Falle der OTA noch zu eruieren und didaktisch zu reflektierenden. Aus den erlebbaren Anforderungen beruflicher Handlungssituationen von OTA emergieren die Kompetenzen, die zur Bewältigung beruflicher Tätigkeiten notwendig und im Rahmen der Ausbildung demzufolge anzubahnen sind, um als beruflich handlungskompetent zu gelten.
Der Logik der Lernfeldorientierung folgend, bedarf es nach Pätzold und Rauner (2006) universitärer Berufsbildungsforschung in Form einer Analyse, die den Fragen nachgeht, was den Beruf der OTA ausmacht und wie er erlernt werden kann. Dies unter Anwendung des „Berufswissenschaftlichen Forschungsdesign zur Identifikation beruflicher Arbeitsaufgaben und Kompetenzen mit dem Ziel der Entwicklung eines Berufsbildes und zugehöriger Curricula“ von Becker und Spöttl (2015, S.76) zu ermitteln, ist Ziel der geplanten Untersuchung.
Hintergrund und Zielsetzung
Die Studie verfolgt das Ziel, die berufliche Arbeit von Operationstechnischen AssistentInnen im Zentral-OP (ZOP) zu erkunden.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen belastbare, empirisch belegte Leitgedanken für die Erstellung kompetenzorientierter Ordnungsmittel wie für didaktische Überlegungen zur Gestaltung von Lernsituationen oder Lernfeldern anbieten. Sie können Modifizierungen, Spezifizierung wie Ergänzungen bestehender Kompetenzformulierungen ermöglichen. Für die junge Profession OTA stellt dies einen weiteren Professionalisierungsschritt auf dem Weg zu einer spezifischen Berufswissenschaft mit ihrer eigenen Didaktik und Ausbildungslogik dar, deren Entwicklung durch ihren neuen Status als Gesundheitsfachberuf angezeigt ist.
Theoretische Bezüge für die beschriebene Forschung entspringen der Qualifikationsforschung. Es gelingt die Rückbindung an die Konzepte: Implizites Wissen von Polanyi (1985) und Neuweg (2019), Berufliche Kernaufgaben (Christ et al., 2023) wie den Arbeitsprozessdimensionen nach Becker und Spöttl (2015).
Methoden
Die Datenerhebung ist mittels nicht-teilnehmender Beobachtungen von Performanzen Berufsangehöriger und Auszubildender im Zentral-OP mit anschließenden Befragungen geplant. Diese Daten bilden die Grundlage für eine qualitative Analyse aus der Perspektive der Reflexiven Grounded Theory Methodologie (Breuer et al., 2018). Es wird erwartet, zentrale paradigmatische Aufgaben ausfindig machen zu können, aus denen berufsspezifische Kompetenzen abgeleitet werden können, die es bedarf, um die charakteristischen Anforderungssituationen der OTA zu bewältigen.
Literatur
- Ausbildungs- und Prüfungsverordnung über die Ausbildung zur Anästhesietechnischen Assistentin und zum Anästhesietechnischen Assistenten und über die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin und zum Operationstechnischen Assistenten (ATA-OTA-APrV) (2022). https://www.gesetze-im-internet.de/ata-ota-aprv/BJNR229510020.html
- Becker, M., & Spöttl, G. (2006). Berufswissenschaftliche Forschung und deren empirische Relevanz für die Curriculumentwicklung. Berufs- und Wirtschaftspädagogik - online, 11. http://www.bwpat.de/ausgabe11/becker_spoettl_bwpat11.pdf
- Becker, M., & Spöttl, G. (2015). Berufswissenschaftliche Forschung. Peter Lang. https://doi.org/10.3726/978-3-653-05511-5
- Breuer,F., Muckel, P., Dieris, B., Allmers, A. (2018). Reflexive Grounded Theory: Eine Einführung für die Forschungspraxis. 4. Durchgesehene und aktualisierte Auflage. Wiesbaden: Springer VS
- Christ, M., Fritzenwanker, M., Hauswald, S., & Marx, A. (2023). Denn wir wissen nicht, was sie tun – ein Forschungsprojekt zur Identifikation beruflicher Kernaufgaben ausgewählter personenbezogener Berufe. In Interdisziplinäre Beiträge zur Bildungsforschung 2023 (Bd. 1). Berlin Universities Publishing. DOI 10.14279
- Gesetz über den Beruf der Anästhesietechnischen Assistentin und des Anästhesietechnischen Assistenten und über den Beruf der Operationstechnischen Assistentin und des Operationstechnischen Assistenten (Anästhesietechnische- und OperationstechnischeAssistenten-Gesetz (ATA- OTA-G) (2022).
- Kultusministerkonferenz. (2021). Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe. https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2021/2021_06_17-GEP-Handreichung.pdf
- Neuweg, G. H. (2019). Implizites Wissen als Forschungsgegenstand. In F. Rauner (Hrsg.), Handbuch Berufsbildungsforschung (3. aktualisierte Auflage, S. 713–715). W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG.
- Pätzold, G. & Rauner, F. (2006). Qualifikationsforschung und Curriculumentwicklung. Franz Steiner Verlag.