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C'est la vie! Ambiguitätstoleranz – Eine unverzichtbare Kernkompetenz Lehrender.

Vortrag
Ort: Raum 1 14.09.26, 14:00 - 14.09.26, 14:45 (Europe/Zurich) (45 Minuten)
Autor:in
Claudia Müller
Akademie für Gesundheit und Soziales, Reutlingen

Beschreibung

„Früher war alles besser!“. Früher – in der Zeit vor einer generalistischen Pflegeausbildung, vor dem Pflegenotstand, vor dem Anwerben ausländischer Pflegefachkräfte und vor einer vielfältigen Gesellschaft? Früher – in der Zeit bevor Unsicherheit, Mehrdeutigkeit und Widersprüchlichkeit das pädagogische Handlungsfeld prägten? Und Früher – bevor sich Lehrende mit dem eigenen moralischen Unbehagen und inneren Widerstand konfrontiert sahen?

Was auch immer „früher“ meint, so meint es wohl nicht heute.

C´est la vie!

Die Ethikbildung hat in der generalistischen Pflegeausbildung eine zentrale Bedeutung. Pflegende in der Ausbildung sollen einen professionellen Umgang mit moralischem Belastungserleben erlernen (vgl. Riedel 2022a: Riedel et al 2022b)..Lehrende tragen dabei die Verantwortung, moralische Integrität zu schützen und moralischen Belastungen vorzubeugen (Gl. Riedel et al 2023). Wie aber kann es Lehrenden gelingen, nicht selbst im Widerstand zu verharren, sondern vielmehr im Bewusstsein um die Relativität des Eigenen, moralischen Belastungssituationen zu begegnen, sich in Ambiguitätstoleranz zu üben und moralische Integrität zu schützen?

Dieser Vortrag beginnt mit der Vorstellung eines wissenschaftlich begleiteten Projekts des Kinder- und Jugendhospizes Stuttgart. Die Mitarbeitenden entwickeln dabei einen Wertekompass mit dem Ziel, das eigene ethische Handeln zu begründen und somit moralisches Unbehagen zu erkennen und diesem Ausdruck zu verleihen. Er soll als moralisches Referenzsystem im beruflichen Alltag dienen und ein gegenseitiges Verständnis schaffen. Hierzu wurden zunächst gemeinsame Werte identifiziert und für das Team in Bezug auf das professionelle Handeln definiert. Die Teammitglieder können nun erklären, welcher Wert ihr Handeln in einer spezifischen Situation bestimmt. Im Weiteren werden Instrumente erprobt, die zur Auflösung moralischen Belastungserlebens und somit zur Stärkung moralischer Integrität beitragen.

Basierend darauf beschäftigt sich dieser Vortrag mit der Hypothese, dass die Fähigkeit zur Ambiguitätstoleranz Lehrender einerseits in moralischer Integrität mündet und zeitgleich ihren Ursprung in dieser zu finden scheint. Abschließend wird die Frage beleuchtet, warum gerade in den starren Hierarchien des Gesundheitswesens die Fähigkeit zur Ambiguitätstoleranz für Lehrende eine unverzichtbare Kernkompetenz darstellt.