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„Demokratie lernt man nicht im Lehrbuch“ - Mitbestimmung als betriebliche Lernpraxis in der Pflegeausbildung (Projekt MITPART)
Beschreibung
Kurzzusammenfassung
Der Beitrag untersucht Mitbestimmung als betriebliche Lernpraxis in der Pflegeausbildung. Auf Grundlage eines qualitativen Forschungsprojekts werden Bedingungen und Widerspruchslagen analysiert, unter denen Auszubildende Beteiligung erfahren und partizipative Lernumgebungen gestaltet werden können.
Einleitung
Gesellschaftliche Transformationsprozesse, Fachkräftemangel und Arbeitsverdichtung verändern die Bedingungen beruflichen Lernens in der Pflege. Ausbildung gerät zunehmend in Spannung zu ökonomischen Anforderungen und Versorgungslogiken, wodurch sich Beteiligungsmöglichkeiten von Auszubildenden strukturell begrenzen und ihr Erfahrungswissen für betriebliche Entscheidungsprozesse ungenutzt bleibt.
Hintergrund und Zielsetzung
Das Forschungsprojekt MITPART (Mitbestimmung und Partizipation in der Pflegeausbildung) untersucht betriebliche Mitbestimmung als Lernpraxis im Kontext beruflicher Bildung. Theoretisch wird Mitbestimmung als Schnittstelle von Partizipation (Dewey, [1916] 2011) und Anerkennung (Honneth, 2010) gefasst und als erfahrungsbasierter, an konkrete Beteiligungssituationen gebundener Prozess konzeptualisiert. Leitend ist die Frage, unter welchen Bedingungen Beteiligungsstrukturen so gestaltet werden können, dass Auszubildende ihre Interessen einbringen und Mitbestimmung als wirksame Praxis erfahren. Ziel ist die Identifikation von Gelingensbedingungen und Hemmnissen sowie die Gestaltung betrieblicher Lernumgebungen als Orte demokratischen Lernens.
Methoden
Das Projekt ist als qualitative Studie konzipiert und basiert auf sechs Gruppendiskussionen mit Auszubildenden sowie zehn leitfadengestützten Expert*inneninterviews mit Betriebsrät*innen in zwei Krankenhäusern in Brandenburg. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz & Rädiker, 2024).
Ergebnisse
Im Beitrag werden erste empirische Befunde aus dem laufenden Projekt vorgestellt. Rekonstruiert werden Erfahrungen von (Nicht-)Beteiligung sowie Zusammenhänge zwischen Beteiligung, Anerkennung und organisationalen Anforderungen. Zudem lassen sich Hinweise auf Spannungsverhältnisse zwischen formalen Beteiligungsstrukturen und deren praktischer Erfahrbarkeit identifizieren.
Diskussion und Ausblick
Der Beitrag entwickelt eine analytische Perspektive auf Mitbestimmung als erfahrungsbasierte und anerkennungsabhängige Praxis und thematisiert, wie betriebliche Lernumgebungen gestaltet sein müssen, damit Beteiligung erfahrbar wird. Auf dieser Grundlage werden mögliche Widerspruchslagen zwischen organisationalen Anforderungen und Beteiligungserfahrungen diskutiert sowie Anknüpfungspunkte für die Gestaltung partizipativer Lernumgebungen in der Pflegebildung aufgezeigt.
Literatur
Dewey, J. (2011). Demokratie und Erziehung: Eine Einleitung in die philosophische Pädagogik: mit einer umfangreichen Auswahlbibliographie (E. Hylla, Übers.) (J. Oelkers, Hg.) (5. Auflage). Beltz.
Honneth, A. (2010). Kampf um Anerkennung: Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte (6. Auflage). Suhrkamp.
Kuckartz, U. & Rädiker, S. (2024). Qualitative Inhaltsanalyse: Methoden, Praxis, Umsetzung mit Software und künstlicher Intelligenz (6., überarbeitete und erweiterte Auflage). Beltz Juventa.
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