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Demokratische Mitverantwortung: Theoriegeleitete Ermittlungen eines auf Mitverantwortung und Mitsteuerung gerichteten Handelns in den Heil- insbesondere Pflegeberufen

Vortrag
Ort: Vortragsraum 1 14.09.26, 15:00 - 14.09.26, 15:30 (Europe/Zurich) (30 Minuten)
Autor:in
Elfriede Prof. Dr. Brinker-Meyendriesch
Emerita Fliedner Fachhochschule Düsseldorf

Beschreibung

Eine systemtheoretische Betrachtungsweise verweist darauf, dass dem Prinzip Verantwortung nicht auszuweichen ist und Verantwortung nicht einfach zu delegieren ist. Die Grätsche als systemtheoretisch hergeleitete Denkfigur (vgl. Brinker-Meyendriesch 2001, 2006, 2015, 2022) markiert als Problemindikator eine geistige und/oder tätige Überbrückungsnotwendigkeit, die auf Lösung drängt. Lernortkooperationen (Mikroebene) sind immer diffizil: Alle an der Pflegeausbildung Beteiligte sind daran interessiert, dass das theoretisch Mögliche und schulisch Gelernte in der praktischen Ausbildung seine lernende Entsprechung finden kann. Die Pflege in praxi ist aber stark beansprucht durch Personalknappheit, und die Schule tritt, trotz möglicher didaktischer Finesse, nicht hinter das zurück, was curriculare Richtigkeit ausweist. Eine Lernortkooperation auf der Mikroebene kann daher nicht alles ausgleichen. Erweiterte Interaktionssysteme können aber subjektive und organisationale Zuschreibungen und Strukturen von Schule und Praxis reflektieren (Meso- und Exoebene Kell,1989, Bronfenbrenner,1981) und in den berufspolitischen Diskurs einspeisen. Dazu bilden sich etwa Arbeitskreise oder Arbeitsgruppen aus Auszubildenen und/oder aus Lehrkräften aus Schule und Praxis als formlose oder formelle Vereinigungen, die mehr oder weniger kontinuierlich und verbindlich miteinander an Themen arbeiten (z.B. Netzwerk Pflegeausbildung). Es bildet sich ein kollektives Bewusstsein berufsverbandlicher, vereins-/fachpolitischer, wissenschaftlicher und gewerkschaftlicher Art aus. Weiter gefasst und grundsätzlicher gedacht muss es Ziel sein, die Fähigkeit Auszubildender/Studierender zu stützen, sich des eigenen Verstandes und Mundes zu bedienen und sich diskursiv berufspolitisch Geltung zu verschaffen – ein auf Mitverantwortung und Mitsteuerung eigener Ausbildungsqualität gerichtetes Handeln, das sich politisch legitimer Artikulationsmittel (vgl. Honneth 1994/2021, 2021b) bedient. Denn als Gesundheitsdienstleister sind Heilberufe nicht nur den Patienten gegenüber verantwortlich, sondern „als Akteur in einem staatlich organisierten Gesundheitssystem“ (Igl 2016: 422) ebenso dem Staat gegenüber.

 

Literatur

Brinker-Meyendriesch, Elfriede (2022): Durch Kooperation die systemisch bedingte Grätsche abwehren – Gedanken zur neuen Pflegeausbildung. In: Kuckeland, Heidi, Walter, Ulla, Zielke-Nadkarni, Andrea, (Hrsg.): Lehrerprofessionalität in der Pflegedidaktik. Prodos: Brake, S. 121-136.

Honneth, Axel (1994/2021a): Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Honneth, Axel (2021b): Das Ich im Wir. Studie zur Anerkennungstheorie. Berlin: Suhrkamp.

Kell, Adolf (1989): Berufspädagogische Überlegungen zu den Beziehungen zwischen Lernen und Arbeiten. In: Kell, Adolf/Lipsmeier, Antonius (Hrsg.): Lernen und Arbeiten. (Beiheft 8 zur ZBW). Stuttgart, S. 9-25.

Luhmann, Niklas (2013): Macht im System. Berlin: Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft.

Netzwerk Pflegeausbildung: https://www.yammer.com/pflegeausbildung (Abruf 18.01.2023)

 

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