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Der Klimakrise begegnen – Durch Berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung Zukunftskompetenzen stärken. Einblicke in das Projekt BBNE-PfleGe

Workshop
Freie Plätze: 28
Ort: Raum 8 14.09.26, 14:00 - 14.09.26, 15:30 (Europe/Zurich) (1 Stunde 30 Minuten)
Workshop-Anmeldung
Noch 28 freie Plätze
Autor:in
Sarah Fliesgen
Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK)
Co-Autor:innen: Ulrike Koch, Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit
Referent:innen
Referentin 1
Referentin 2

Beschreibung

2024 war laut internationalen Wetteraufzeichnungen das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen im Jahr 1850 (Copernicus Climate Change Service, 2025). Erstmals lag die globale Durchschnittstemperatur 1,6 °C über dem vorindustriellen Niveau. Hitze, Extremwetterereignisse und veränderte Umweltbedingungen wirken sich unmittelbar auf die Versorgungspraxis aus – in Krankenhäusern, in der ambulanten Pflege, in stationären Langzeitpflegeeinrichtungen und in weiteren Versorgungsbereichen. Dennoch werden Nachhaltigkeit, Klimawandel und Klimaanpassung bislang kaum als zentrale Themen für das Gesundheitssystem diskutiert. Dabei ist längst deutlich geworden, dass die Klimakrise vor allem eine gesundheitliche Herausforderung darstellt. Bereits 2015 formulierte die renommierte Fachzeitschrift The Lancet (Whitmee et al., 2015): „Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für die globale Gesundheit im 21. Jahrhundert.“ Diese Einschätzung hat seither nicht an Aktualität verloren. Klimatische Veränderungen führen zu vielfältigen gesundheitlichen Folgen, beeinflussen chronische Erkrankungen, verändern Versorgungsbedarfe und stellen neue Anforderungen an die Pflege.

Für den engen Zusammenhang zwischen ökologischen Veränderungen und menschlicher Gesundheit steht das Konzept der Planetaren Gesundheit. Es fordert politische, soziale und ökonomische Systeme, die allen Menschen ein Leben in Würde und Gesundheit ermöglichen, ohne planetare Belastungsgrenzen zu überschreiten.

Das berufliche Selbstverständnis der Gesundheitsberufe sollte sich unbedingt um das Konzept der planetaren Gesundheit und dessen Schutz erweitern. Professionell Pflegende können sich – wie es der Ethikkodex des International Council of Nurses aus dem Jahr 2021 vorsieht – als Schlüsselpersonen in der Bewältigung von Klima-, Biodiversitäts- und Verschmutzungskrisen verstehen. Sie stehen in engem Kontakt mit vulnerablen Bevölkerungsgruppen, erleben gesundheitliche Folgen unmittelbar, verfügen über hohe gesellschaftliche Glaubwürdigkeit und können dementsprechend genau dort ihre Kompetenzen einbringen.

Gleichzeitig trägt das Gesundheitssystem selbst zur Klimakrise bei: In Deutschland verursacht es rund 6,1 % der nationalen Emissionen (Ostertag et al., 2021). Damit ist es somit Betroffener als auch Mitverursacher – und kann damit Mitgestalter der Lösung sein. Die Reduktion von Emissionen und die Anpassung an die Folgen der Klimakrise sind zentrale Zukunftsaufgaben, auf die Gesundheitsfachpersonen vorbereitete werden müssen.

Bildung als Treiber für Transformation

Damit diese Transformation gelingt, braucht es mehr als reine Verhaltensänderungen. Es braucht ein vertieftes Verständnis der Zusammenhänge, eine Reflexion beruflicher Rollenbilder und die Entwicklung individueller Handlungsmöglichkeiten. Hier kommt der Bildung eine Schlüsselrolle zu. Bereits im Lancet Policy Brief von 2019 wurde empfohlen, Klimawandel, gesundheitliche Chancen durch Klimaschutzmaßnahmen und das Konzept Planetary Health systematisch in die Aus-, Fort- und Weiterbildung aller Gesundheitsberufe zu integrieren. Dennoch sind diese Inhalte bis heute nur unzureichend in Curricula verankert.

Klassische Bildungsformate setzen häufig auf Wissensvermittlung und individuelle Verhaltensänderung. Angesichts der notwendigen tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen greifen diese jedoch zu kurz. Neben fachlichem Wissen braucht es die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, Unsicherheiten auszuhalten, Zielkonflikte zu reflektieren und strukturelle Veränderungsprozesse aktiv mitzugestalten. Genau hier setzt die Berufliche Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BBNE) an. BBNE bedeutet, dass berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung so gestaltet wird, dass Lernende die Fähigkeit entwickeln, nachhaltig zu handeln – sowohl im Beruf als auch in der Gesellschaft. Dabei werden ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte der Nachhaltigkeit integriert. Ziel ist es, Fachkräfte auszubilden, die Ressourcen effizient und umweltbewusst nutzen, soziale Verantwortung übernehmen und wirtschaftlich tragfähige Entscheidungen treffen. Dabei spielt insbesondere transformatives Lernen eine zentrale Rolle, da nachhaltige Transformationen einen Wandel von Einstellungen, Werten und Lebensstilen erfordern. Es zielt darauf ab, Denk- und Handlungsmuster kritisch zu hinterfragen und neue Perspektiven zu entwickeln. Das Ziel ist es, nicht nur Wissen über Nachhaltigkeit zu erwerben, sondern eine veränderte Perspektive zu entwickeln, die zu verantwortungsbewusstem und zukunftsorientiertem Handeln führt. Transformation vollzieht sich somit nicht allein durch politische Beschlüsse, sondern grundlegend auch durch Veränderungen von Normen und Werten (Otto et al., 2020).

Beschreibung des Projekts

Das Projekt Praxisanleitende in Pflege- und Gesundheitsberufen als Schlüsselpersonen für BBNE (BBNE-PfleGe) des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe, der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit und dem Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe zielt darauf ab, die Themen Nachhaltigkeit und planetare Gesundheit als handlungsleitende Prinzipien in der Bildung von Pflege- und Gesundheitsberufen zu verankern. Dazu bietet es bundesweit berufspädagogische Fortbildungen für Praxisanleitende, sowie Train the Trainer-Fortbildungen für pädagogisches Bildungspersonal im Gesundheitswesen an.

Im Rahmen der Fortbildungen setzen die Teilnehmenden sich mit gesundheitlichen Folgen der Klimakrise, Klimaschutz und Anpassungsfragen auseinander, reflektieren ihre Rollenaufgabe und entwickeln basierend auf den Methoden der BBNE eigene Ansätze, um  die Themen in ihrer pädagogischen Arbeit berücksichtigen zu können. Die Evaluation aus den Fortbildungen zeigt, dass diese Form der Auseinandersetzung auf positive Resonanz stößt, denn geschützten Lernräumen ohne Bewertung entsteht ein Raum für Irritation, Reflexion und Perspektivwechsel.

Literatur

  • Ostertag, K., Bratan, T., Gandenberger, C., Hüsing, B. & Pfaff, M. (2021): Abschlussbericht. Ressourcenschonung im Gesundheitssektor - Erschließung von Synergien zwischen den Politikfeldern Ressourcenschonung und Gesundheit. Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe. Umweltbundesamt (Hrsg.) 2021. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/5750/publikationen/2021-01-25_texte_15-2021_ressourcenschonung_gesundheitssektor.pdf
  • Otto I.M., Donges J.F., Cremades R., Bhowmik A., Hewitt R.J., Lucht W. et al. (2020): Social tipping dynamics for stabilizing Earth's climate by 2050. Proc Natl Acad Sei USA 2020; 117(5):2354-65. doi: 10.1073/pnas.1900577117.
  • Whitmee, S., Haines, A., Beyrer, C. et al. (2015): Safe guarding human health in the Anthropocene epoch: report of The Rockefeller Foundation–Lancet Com mission on planetary health. The Lancet 386(10007): 1973–2028. DOI: 10.1016/S0140-6736(15)60901-1.