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Erst virtuell, dann real: KI-gestützte Avatare zur Stärkung pflegerischer Kommunikationskompetenz
Beschreibung
Kommunikative Kompetenzen stellen einen zentralen Bestandteil pflegerischer Handlungskompetenz dar und sind eng mit der Qualität der Patientenversorgung verknüpft. Insbesondere herausfordernde Gesprächssituationen, etwa im Umgang mit Patient:innen, Angehörigen sowie im interprofessionellen Kontext, erfordern gezielte Übungs- und Reflexionsmöglichkeiten. Simulationen mit Simulationspersonen (SP) sind hierfür ein etabliertes Lehr-Lern-Format, erweisen sich jedoch als ressourcenintensiv und bieten nur begrenzte Möglichkeiten zur wiederholten individuellen Übung.
Vor diesem Hintergrund werden am Berner Bildungszentrum Pflege KI-gestützte Avatare als ergänzendes Simulationstool zur Vorbereitung auf Kommunikationstrainings mit Simulationspersonen (SP) eingesetzt. Im Rahmen eines Pilotprojekts werden bestehende pflegerische Kommunikationsszenarien für die Nutzung mit KI-Avataren angepasst. Zum Einsatz kommt das Tool XARA, das an der Universität St. Gallen entwickelt wurde.
Die Studierenden führen vor den SP-Trainings Gespräche mit einem KI-basierten Avatar durch, über VR-/AR-Technologien oder mobile Endgeräte. Ein integrierter Avatar-Coach gibt nach der Interaktion mit dem Avatar ein strukturiertes, lernzielorientiertes Feedback zu zentralen Kommunikationskompetenzen wie Empathie, Gesprächsstruktur und professioneller Haltung. Zusätzlich wird ein automatisiertes Gesprächsprotokoll erstellt, das die Interaktion und das Feedback dokumentiert. Die Erkenntnisse aus den Avatar-Interaktionen nutzen die Studierenden für die anschliessenden Gespräche mit Simulationspersonen. Insgesamt nutzten bereits über 100 Pflegestudierende KI-gestützte Avatare. Die Evaluation erfolgt mittels eines standardisierten Fragebogens zu Akzeptanz, Nutzung und wahrgenommenem Lernerfolg.
Die Ergebnisse weisen auf eine hohe Akzeptanz der KI-gestützten Simulation hin. Besonders hervorgehoben werden die Möglichkeit zur wiederholten, selbstgesteuerten Übung, die hohe zeitliche und räumliche Flexibilität sowie das Training in einem geschützten, risikoarmen Setting. Darüber hinaus berichten die Studierenden von einer gesteigerten Sicherheit im Umgang mit pflegerischen Gesprächssituationen.
KI-gestützte Avatare erweitern bestehende simulationsbasierte Lehr-Lern-Arrangements im Sinne eines vorbereitenden und begleitenden Skills-Trainings. Sie ermöglichen eine niedrigschwellige, individualisierte Förderung kommunikativer Kompetenzen, ersetzen jedoch nicht die Interaktion mit realen Simulationspersonen. Für die Pflegebildung eröffnen sich damit perspektivisch neue Möglichkeiten zur Gestaltung praxisnaher, adaptiver und skalierbarer Lernumgebungen.
Literatur
- Janssen E, Thompson L, Rivera P, et al. Barriers to breakthroughs: A scoping review of generative AI in healthcare simulation. Clin Simul Nurs. 2025;75:12–28.
- Schlegel, C., Weber U. Neue Ansätze in der Ausbildung von Gesundheitsberufen: Der Einsatz von Avataren zur Förderung kommunikativer Kompetenzen, Schtittmacherin 1/2025.
- Stoco JB, Miller R, Tanaka K, et al. Simulating Physician–Patient Interactions Using Generative Artificial Intelligence: An Educational Tool for Medical Students. Cureus J Comput Sci. 2025;17:e10532.