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It's time to teach!* NS-Medizingeschichte als Ausgangspunkt von Ethikvermittlung für Gesundheitsberufe

Vortrag
Ort: Raum 3 14.09.26, 16:00 - 14.09.26, 16:45 (Europe/Zurich) (45 Minuten)
Autor:in
Beate Mitzscherlich
Westsächsische Hochschule Zwickau
Referent:innen
Referentin 1

Beschreibung

Einleitung

Der Lancet Comission Bericht zur NS-Medizin fordert dazu auf, die Auseinandersetzung mit den NS-Medizinverbrechen verpflichtend in das Medizinstudium und die Ausbildung aller Gesundheitsberufe zu integrieren(1). In Bezug auf die Pflegeausbildung hat sich v.a. die Gruppe um Hilde Steppe in Frankfurt, Ulrike Gaida in Berlin und verschiedene Fachgesellschaften um die Aufarbeitung bemüht, Quellen gesichert, aufgearbeitet und für den Unterricht zur Verfügung gestellt. Allerdings gibt es bisher kaum eine berufsdidaktische Reflexion darüber, wie entsprechende Inhalte vermittelt, an welchen Stellen sie ins Curriculum integriert und wie daraus Kompetenzen für ethische Entscheidungen in der Gegenwart abgeleitet werden können.

Hintergrund und Motivation

Die Autorin hat bereits seit 20 Jahren in unterschiedlichen Lehrformaten Wissen über NS-Medizinverbrechen im Rahmen der Hochschulausbildung von Studierenden im Pflege- und Gesundheitsmanagement vermittelt. Seitdem seit drei Jahren auch Studierende im Studiengang Pädagogik für Gesundheitsfachberufe berufsbegleitend ausgebildet werden, ist die Vermittlung dieses Wissens zum systematischen Bestandteil des Ethikmoduls geworden. Im Austausch mit den oftmals schon an Schulen bzw. als Praxisanleiter tätigen Studierenden kommt immer wieder die Frage auf, ob- und wie man aus der Geschichte lernen kann?

Beschreibung des Projekts

Anhand von drei unterschiedlichen didaktischen Ansätzen werden Lehrforschungsprojekte beschrieben, die sich jeweils mit der Auseinandersetzung mit spezifischen Themen der NS-Medizinverbrechen beschäftigt haben. Die Beteiligung und Handlungsspielräume von Pflegenden und Ärzt*innen im NS und heute werden von den Studierenden sehr schnell in Bezug zur eigenen Lehr- bzw. Ausbildungserfahrung gesetzt.

Kritische Reflexion

Neben der didaktischen Herausforderung, komplexe historische Zusammenhänge in zeitlich limitierten curricularen Einheiten zu vermitteln, ist die Frage der „Dosierung“ auch bezüglich der damit immer einhergehenden Emotionen – insbesondere bei sehr jungen Schüler*innen bzw. Auszubildenden- zu reflektieren. Nicht zuletzt müssen Unterschiede zwischen Vergangenheit und Gegenwart präzise benannt und vorschnelle Übertragungen bzw. Generalisierungen hinterfragt werden.

Ausblick

Die von der Lancet Comission geforderte Wissensvermittlung und deren curriculare Einbettung muss berufsdidaktisch reflektiert und sinnvoll evaluiert werden.

Literatur

  • (1) The Lancet Comission on medicine, Nazism and the Holocaust: historical evidence, implications for today, teaching for tomorrow (Nov, 18, 2023).