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„Lehrende zweiter Klasse?“ - Perspektiven und Potentiale für die Lehrer*innenbildung in den Gesundheitsberufen

Workshop
Freie Plätze: 24
Ort: Raum 9 14.09.26, 11:30 - 14.09.26, 13:00 (Europe/Zurich) (1 Stunde 30 Minuten)
Workshop-Anmeldung
Noch 24 freie Plätze
Autor:in
Franz Stieberitz
Ostfalia - Hochschule für angewandte Wissenschaften
Co-Autor:innen: Prof. Dr. Ilka Benner, Prof. Dr. Sandra Tschupke, Ostfalia - Hochschule für angewandte Wissenschaften; Andreas Blank, Hochschule Hannover
Referent:innen
Referentin 1

Beschreibung

Einleitung

Die Lehrer*innenbildung in den Gesundheitsberufen steht aktuell im Zentrum eines intensiven berufs- und wissenschaftspolitischen Diskurses. Einerseits ist in den letzten Jahren eine erhebliche quantitative Ausweitung lehrer*innenbildender Studiengänge zu beobachten, die sowohl an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) als auch an Universitäten angesiedelt sind. Andererseits zeigen sich Hinweise auf strukturelle Defizite, fehlende Standardisierung und eine zunehmende Fragmentierung von Studienangeboten im Bereich der Lehrendenbildung für die Gesundheitsberufe (Arens, 2025).

Beschreibung des Projekts

Insbesondere die verbreitete einphasige Lehrer*innenbildung in den Gesundheitsberufen wird seit Jahrzehnten kritisch diskutiert. Im gesellschaftlichen und politischen Diskurs werden Lehrende, die kein universitäres Lehramtsstudium mit Vorbereitungsdienst durchlaufen haben, teils als „Lehrende zweiter Klasse“ bezeichnet (Bals, 1990, zitiert nach Reiber & Remme, 2009, S. 3; Wanner, 1993, zitiert nach Gahlen-Hoops & Brühe, 2024, S. 387). Diese Zuschreibung verweist auf tief verankerte Statushierarchien innerhalb der Lehrer*innenbildung und verdeutlicht, dass strukturelle Unterschiede nicht nur organisatorische, sondern auch symbolische und professionspolitische Folgen haben: Die im dbb (Beamtenbund und Tarifunion) vertretenen Mitgliedsgewerkschaften positionieren sich 2024 eindeutig für die Beibehaltung der „Zweiphasigkeit der akademischen Ausbildung“ (BvLB, 2024).

Berufsverbände wie der Bundesverband Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe kritisieren vor diesem Hintergrund eine politische Vernachlässigung der gesundheitsberuflichen Lehrer*innenbildung sowie das Unterschreiten zentraler professioneller Mindeststandards, etwa hinsichtlich Abschlussniveau, curricularem Aufbau und der fehlenden systematischen Verzahnung der Phasen der Lehrer*innenbildung (BLGS, 2025). Aus wissenschaftlicher Perspektive wird die Lehrer*innenbildung in den Gesundheitsberufen zudem als Feld einer „nachholenden Professionalisierung“ beschrieben, in dem berufliche Herkunft, pädagogische Professionalität und institutionelle Rahmungen in einem spannungsreichen Verhältnis stehen (Herzberg & Walter, 2023). Andererseits ist für das universitäre Lehramtsstudium der Nachweis eines gelingenden Theorie-Praxis-Transfers seiner Absolvent*innen sowohl zwischen den beiden Phasen als auch von der zweiten Phase in die Praxis nur bedingt möglich (z. B. Barnat, 2019). Rothland (2020) betont die situationsspezifische Verwendungslogik als Rahmen des theoretischen Wissens für den individuellen Transfer.

Workshopablauf

Der Workshop greift die geschilderten Diskurse auf und stellt die unterschiedlichen strukturellen Modelle der Lehrer*innenbildung an HAW und Universitäten zur Diskussion. In einem dialogischen Format werden politische Rahmenbedingungen, institutionelle Logiken, Statusfragen und Professionalisierungsansprüche offengelegt.

Ziel des Workshops

Ziel ist es, gemeinsam mit den Teilnehmenden Perspektiven für eine kohärente, gerechte und zukunftsfähige Lehrer*innenbildung in den Gesundheitsberufen im Sinne des Themenfeldes „Politik & Struktur“ der Lernwelten 2026 zu entwickeln.

Literatur

  • Arens, F. (2025). Ideen- und Sozialgestalt der Lehrerbildung für die Gesundheitsfachberufe. Aktualisierung der Studie Spektrum Lehrerbildung Pflege und Gesundheit 2.0 – Teil 2. Pädagogik der Gesundheitsberufe, 12(2), 71-86.
  • Barnat, M. (2019). Die Nutzung von Forschungsergebnissen in der Lehrpraxis fon Schule und Hochschule. In N. Buchholtz, M. Barnat, E. Bosse, T. Heemsoth, K. Vorhölter & J. Wibowo (Hrsg.). Praxistransfer in der tertiären Bildungsforschung. Modelle, Gelingensbedingungen und Nachhaltigkeit (S. 17-28). Hamburg University Press. DOI: https://doi.org/10.15460/HUP.198.
  • Berufsverband der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB) (2024). Pressemeldung: Lehrkräftebildung braucht klare Standards. Abgerufen am 09.01.2024: https://www.glb-hessen.de/wp-content/uploads/2024/03/2024_03_15_PM_Lehrkraeftebildung_braucht_klare_Standards.pdf
  • Berufsverband Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe (BLGS). (o. D.) Positionspapier: Einheitliche Qualifikationsstandards für Lehrende in der generalistischen Pflegeausbildung in Deutschland. Abgerufen am 30.12.2025, https://blgsev.de/wp-content/uploads/2024/11/BLGS-NRW-Positionspapier-Qualifikationsstandards-fuer-Lehrende-in-der-Ausbildung.pdf
  • Herzberg, H. & Walter, A. (2023). Zur Professionalität von Lehrenden in den Gesundheitsfachberufen. In I. Darmann-Finck & K.-H. Sahmel (Hrsg.), Pädagogik im Gesundheitswesen (S. 553–569). Springer
  • Reiber, K. & Remme, M. (2009). Das erziehungswissenschaftlich-berufspädagogische Selbstverständnis der Pflegepädagogik - Empirische Befunde und wissenschaftstheoretische Positionierungen. Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 16, 1-28.
  • Rothland, M. (2020). Legenden der Lehrerbildung. Zur Diskussion einheitsstiftender Vermittlung von ,Theorie‘ und ,Praxis‘ im Studium. Zeitschrift für Pädagogik, 66, 2, 270-287
  • v. Gahlen-Hoops, W. & Brühe, R. (2024). Bestehende Studienstrukturen in der Lehrendenbildung Pflege. In R. Brühe & W. Gahlen-Hoops (Hrsg.), Handbuch Pflegedidaktik II (S. 387-401). utb.