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Pädagogische Verantwortung in der Pflegebildung im Kontext gesellschaftlicher Transformationsprozesse
Beschreibung
Pflegebildung ist durch ihren doppelten Gesellschaftsbezug eng mit politischen, ethischen und gesellschaftlichen Fragestellungen verbunden. Gleichzeitig sind gesellschaftliche und politische Dimensionen in der Pflegeausbildung bislang kaum systematisch verankert, wodurch gesellschaftliche Reflexion häufig implizit bleibt. Vor diesem Hintergrund untersucht das Promotionsvorhaben, wie Pflegelehrende ihre pädagogische Verantwortung im Umgang mit gesellschaftlichen und politischen Anforderungen im Unterricht wahrnehmen und gestalten.
Pädagogische Verantwortung wird dabei nicht als individuelle Eigenschaft verstanden, sondern als relational hervorgebrachte Subjektposition, die in Unterrichtsinteraktionen durch sprachliche Adressierungen entsteht. Im Fokus steht, wie Lehrkräfte im Pflegeunterricht als verantwortliche Subjekte adressiert werden und wie sie diese Zuschreibungen bearbeiten und sich dazu positionieren.
Theoretisch verbindet die Studie Subjektivierungsforschung und Adressierungsanalyse. Unterricht wird als sozialer Raum verstanden, in dem gesellschaftliche Erwartungen nicht lediglich umgesetzt, sondern in situativen Praktiken hervorgebracht und in Verantwortungszuschreibungen übersetzt werden.
Ziel der Untersuchung ist die Rekonstruktion, wie pädagogische Verantwortung in pflegepädagogischen Unterrichtsinteraktionen im Kontext gesellschaftlicher Transformationsprozesse adressiert und ausgehandelt wird. Analysiert werden insbesondere die an Pflegelehrende gerichteten Subjektpositionen sowie deren Umgang mit diesen Adressierungen.
Empirisch basiert die Studie auf videographierter bzw. audioaufgezeichneter Unterrichtsinteraktionen der Pflegebildung. Die Datenauswahl erfolgt theoriegeleitet und fokussiert Sequenzen mit gesellschaftspolitischen, ethischen oder berufsethischen Bezügen.
Die Auswertung erfolgt mittels Adressierungsanalyse als rekonstruktivem Verfahren der qualitativen Forschung. Ziel ist es, und Positionierung sichtbar zu machen und pädagogische Verantwortung als interaktiv hervorgebrachte Praxis im Kontext gesellschaftlicher Transformationsprozesse zu rekonstruieren.
Literatur
Ertl‑Schmuck, R. (2023). Ein sich wandelnder Diskurs. In W. von Gahlen‑Hoops & K. Genz (Hrsg.), Pflegedidaktik im Überblick: Zwischen Transformation und Diffusion (S. 43–58). Springer VS.
Kuhlmann, N. (2023): »Verantwortung« als pädagogischer Topos. Anerkennungstheoretische Perspektiven. Weinheim/Basel: Beltz Juventa.
Kuhlmann, N. (2023): Adressierungsanalyse als Zugang zur Subjektivierungsforschung. Methodologisch-methodische Weiterentwicklungen und Werkstattbericht. In: Ricken,N.; Rose,N., Otzen,A., Kuhlmann;N. (Hg.): Die Sprachlichkeit der Anerkennung. Subjektivierungstheoretische Perspektiven auf eine Form des Pädagogischen. Weinheim/Basel. Beltz Juventa, 68–111.