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Pflege – (k)ein kommunales Thema? Kommunalpolitische Beteiligung als Ausdruck professioneller Verantwortung

Workshop
Freie Plätze: 30
Ort: Raum 9 15.09.26, 09:00 - 15.09.26, 10:30 (Europe/Zurich) (1 Stunde 30 Minuten)
Workshop-Anmeldung
Noch 30 freie Plätze
Autor:in
Stefanie Steguweit
GFO Schule für Gesundheitsberufe

Beschreibung

Wenn über Pflege politisch gesprochen wird, dominieren meist Fachkräftemangel, Versorgungsengpässe und die Finanzierung von Leistungen. Weit weniger beachtet wird, dass Pflegebedürftigkeit, Einsamkeit und eingeschränkte Teilhabe auch kommunal mit hervorgebracht oder verhindert werden: durch Mobilität, Barrierefreiheit, Begegnungsräume, Prävention, nachbarschaftliche Infrastruktur und sozialräumliche Versorgungsstrukturen.

Der Workshop geht von der These aus, dass Pflege ein kommunales Thema ist – und dass die pflegefachliche Perspektive in kommunalpolitischen Diskursen bislang zu selten systematisch eingebracht wird. Denn Ortsfixierung beginnt nicht erst in der Wohnung, sondern am Bordstein. Ob Menschen ihren Sozialraum nutzen können, ob sie erreichbar bleiben, ob Prävention im Alltag greift und ob Teilhabe möglich bleibt, entscheidet sich nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch in der Kommune.

Ausgehend vom eigenen kommunalpolitischen Engagement zeigt der Workshop auf, an welchen Stellen Pflegefachpersonen kommunale Debatten fachlich bereichern können: etwa bei Fragen von Mobilität, Gesundheitsprävention, Teilhabe, altersfreundlicher Infrastruktur oder sozialräumlicher Versorgung. Politische Beteiligung wird dabei nicht als Zusatz oder private Neigung verstanden, sondern als Ausdruck professioneller Verantwortung. Damit knüpft der Workshop an ein Pflegeverständnis an, das gesellschaftliche Rahmenbedingungen von Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und die Mitgestaltung gesundheitsbezogener Strukturen als pflegefachliche Aufgabe begreift.

Gemeinsam mit den Teilnehmenden werden mögliche Beteiligungsräume in der eigenen Kommune erschlossen: von Ausschüssen und Beteiligungsverfahren bis hin zu konkreten Wegen der Mitwirkung im kommunalpolitischen Raum, auch jenseits einer Parteimitgliedschaft. Der Workshop lädt dazu ein, politische Handlungsfähigkeit in den Gesundheitsberufen als Teil professioneller Bildung zu verstehen – und Kommune als einen Ort, an dem Pflege, Demokratie und Prävention praktisch zusammenkommen.

Literatur 

  • International Council of Nurses. (2021). The ICN Code of Ethics for Nurses. World Health Organization. (2007). Global age-friendly cities: A guide.

Kurzbeschreibung der Workshopmethoden und der geplanten Durchführung

Ziel 

Der Workshop verfolgt das Ziel, kommunalpolitische Beteiligung als Ausdruck professioneller Verantwortung von Pflegefachpersonen zu reflektieren und konkrete Beteiligungsräume in der eigenen Kommune sichtbar zu machen. Die Teilnehmenden setzen sich mit der Frage auseinander, wie pflegefachliche Perspektiven in kommunale Diskurse eingebracht werden können, etwa zu Mobilität, Gesundheitsprävention, Teilhabe oder altersfreundlicher Infrastruktur. Ziel ist es, politische Handlungsfähigkeit in den Gesundheitsberufen nicht nur als individuelles Interesse, sondern als Bestandteil professioneller Bildung und demokratischer Mitgestaltung zu verstehen.

Ablauf der Veranstaltung mit geplanten Methoden 

Der Workshop ist auf 90 Minuten angelegt und verbindet Impuls, gemeinsame Reflexion, aktivierende Kleingruppenarbeit und Transfer.

  1. Einstieg und thematische Aktivierung (ca. 10 Minuten) Zum Einstieg erfolgt eine kurze aktivierende Positionierung anhand einer Leitfrage, z. B.: „Ist Pflege ein kommunales Thema?“ oder „Wo beginnt Pflegepolitik in der Kommune?“ Die Teilnehmenden bringen erste Assoziationen und Erfahrungen ein. Ziel ist die Aktivierung vorhandener Perspektiven und die Öffnung des Themas.
  2. Impuls aus eigenem kommunalpolitischem Engagement In einem kurzen Input werden zentrale Thesen des Workshops vorgestellt und anhand eigener kommunalpolitischer Erfahrungen veranschaulicht. Dabei wird aufgezeigt, wie sich pflegefachliche Perspektiven in kommunale Diskurse einbringen lassen, etwa in Bezug auf Mobilität, Prävention, Barrierefreiheit, Einsamkeit oder sozialräumliche Versorgung. Der Impuls dient als fachlicher und erfahrungsbezogener Ausgangspunkt für die weitere Arbeit.
  3. Kleingruppenarbeit: Beteiligungsräume in der eigenen Kommune erschließen In Kleingruppen arbeiten die Teilnehmenden an der Frage, welche kommunalen Themen in ihrem Kontext pflegefachlich relevant sind und über welche Wege Mitgestaltung möglich wird. Dabei werden konkrete Beteiligungsräume identifiziert, z. B. Ausschüsse, Beteiligungsverfahren, Runde Tische, Netzwerke oder die Mitwirkung als sachkundige Bürgerin bzw. sachkundiger Bürger. Die Gruppen arbeiten mit einer strukturierten Leitfrage bzw. einem Arbeitsraster.
  4. Sicherung und Austausch im Plenum Die Ergebnisse der Kleingruppen werden im Plenum zusammengeführt. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche kommunalen Hebel sichtbar wurden, welche Hürden bestehen und welche Themen Pflegefachpersonen besonders einbringen können. Die Vielfalt der kommunalen Kontexte wird dabei ausdrücklich als Ressource verstanden.
  5. Transfer und Abschluss Zum Abschluss formulieren die Teilnehmenden einen möglichen nächsten Schritt für ihren eigenen Kontext: etwa ein kommunales Thema, einen möglichen Beteiligungsort oder eine erste Idee zur didaktischen Aufbereitung in Ausbildung oder Studium. Der Workshop endet mit einer kurzen gemeinsamen Reflexion zur Frage, wie politische Handlungsfähigkeit in den Gesundheitsberufen gestärkt werden kann.

Avisierte Zielgruppe Der Workshop richtet sich an Lehrende, Praxisanleitende, Forschende und weitere Bildungsakteur:innen in den Gesundheitsberufen sowie an Interessierte aus der Berufspraxis. Besonders angesprochen sind Personen, die politische Bildung, professionelle Verantwortung und kommunale Mitgestaltung in Ausbildung, Studium oder Praxis stärker miteinander verbinden möchten.