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Politische Bildung in der Pflegeausbildung. Zwischen pädagogischem Auftrag und struktureller Leerstelle – Eine qualitative Untersuchung zur Perspektive von Pflegepädagog*innen

Vortrag
Ort: Vortragsraum 2 15.09.26, 11:00 - 15.09.26, 11:30 (Europe/Zurich) (30 Minuten)
Autor:in
Yvonne Romanow

Beschreibung

Der vorgeschlagene Beitrag für die Lernwelten basiert auf meiner Masterthesis und analysiert die Realität politischer Bildung an Pflegeschulen. Dabei wird eine fundamentale Diskrepanz zwischen dem gesellschaftlichen Anspruch und der pädagogischen Wirklichkeit herausgearbeitet, die sich in vier zentralen dichotomen Spannungsfeldern zusammenfassen lässt:

1. Strukturelle Relevanz vs. Curriculare Leerstelle

  • Anspruch: Pflegende bilden die zweitgrößte Berufsgruppe in Deutschland und sind zentrale Akteur*innen des Gesundheitswesens. Politische Mündigkeit ist dabei eine elementare Voraussetzung für ihre berufliche Selbstwirksamkeit.

  • Wirklichkeit: In den rechtsverbindlichen Rahmenwerken (PflBG, PflAPrV) bleibt politische Bildung eine Randerscheinung ohne explizite Verbindlichkeit. Dies begünstigt eine pädagogische Willkürlichkeit in der Umsetzung.

     

2. Systematische Planung vs. Reaktive Didaktik

  • Anspruch: Politische Bildung sollte als integraler, systematisch geplanter Bestandteil der pflegerischen Professionalisierung begriffen werden.

  • Wirklichkeit: Die Vermittlung erfolgt in der Praxis überwiegend reaktiv und situativ. Themen werden oft erst dann aufgegriffen, wenn aktuelle gesellschaftliche Ereignisse oder Impulse der Lernenden, etwa zum Pflegenotstand, den Unterrichtsanlass bieten.

     

3. Demokratischer Bildungsauftrag vs. Normative Unsicherheit

  • Anspruch: Pflegepädagog*innen nehmen eine Schlüsselrolle als Multiplikator*innen und Vorbilder für eine demokratische Haltung ein.

  • Wirklichkeit: Lehrende bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen dem Auftrag zur Wertevermittlung und einem oft als Dilemma erlebten Neutralitätsgebot. Zentrale Orientierungsrahmen wie der Beutelsbacher Konsens sind in der pflegepädagogischen Praxis häufig unbekannt.

     

4. Digitale Lebenswelt vs. Analoge Vermittlungskompetenz

  • Anspruch: Medienkompetenz und die kritische Analyse digitaler Informationsflüsse sind heute untrennbar mit politischer Urteilsfähigkeit verknüpft.

  • Wirklichkeit: Während Lernende Informationen primär unreflektiert aus sozialen Medien beziehen, fehlt es auf institutioneller Ebene oft an medienpädagogischer Qualifizierung und Unterstützung, um diese Dynamiken didaktisch aufzufangen.

Fazit für die Lehre
Die Untersuchung verdeutlicht, dass politische Bildung derzeit weitgehend ein Zufallsprodukt individuellen Engagements einzelner Lehrpersonen ist. Um Pflegende von bloß Betroffenen zu aktiv gestaltenden Akteur*innen zu entwickeln, ist eine Transformation notwendig: weg von der situativen Krisenintervention, hin zu einer strukturell verankerten, medienkritischen und professionell begleiteten politischen Bildung in der Pflegeausbildung.

 

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