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Politische Bildung in der Pflegeausbildung: Zwischen pädagogischem Auftrag und struktureller Leerstelle – Eine qualitative Untersuchung zur Perspektive von Pflegepädagog*innen

Vortrag
Ort: Raum 3 15.09.26, 14:45 - 15.09.26, 15:30 (Europe/Zurich) (45 Minuten)
Autor:in
Yvonne Romanow
Referent:innen
Referentin 1

Beschreibung

Einleitung

Politische Bildung stellt eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, demokratische Mitgestaltung und kritisches Urteilsvermögen dar, bleibt im Kontext der Pflegeausbildung jedoch weitgehend randständig.

Pflegefachpersonen nehmen zugleich eine tragende Rolle im Gesundheitswesen ein, sind jedoch in politischen Entscheidungsprozessen nur begrenzt sichtbar, obwohl sie unmittelbar von gesundheitspolitischen Entwicklungen betroffen sind. Diese Diskrepanz verweist auf eine strukturelle Leerstelle in der pflegerischen Ausbildung.

Hintergrund und Zielsetzung

Vor diesem Hintergrund wird untersucht, inwiefern politische Bildung in der Pflegeausbildung tatsächlich stattfindet und welche Rolle Pflegepädagog*innen dabei einnehmen. Im Zentrum steht die Frage, welche Überlegungen und Einflussfaktoren bestimmen, ob politische Themen im Unterricht behandelt oder vermieden werden.

Methoden

Die Arbeit verortet sich an der Schnittstelle von Politikdidaktik und Pflegepädagogik und greift das Kompetenzmodell nach Detjen et al. (2012) als analytischen Bezugsrahmen auf. Die Untersuchung folgt einem qualitativen, phänomenologischen Forschungsdesign. Zur Datenerhebung wurden leitfadengestützte Interviews mit Pflegepädagog*innen durchgeführt. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass politische Bildung in der Pflegeausbildung kaum systematisch verankert ist und primär vom individuellen Engagement einzelner Lehrpersonen abhängt. Die Thematisierung erfolgt überwiegend situativ und anlassbezogen. Als zentrale Einflussfaktoren lassen sich strukturelle Rahmenbedingungen, didaktisch-normative Unsicherheiten sowie heterogene Lernendenvoraussetzungen identifizieren.

Diskussion und Ausblick

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass politische Bildung bislang nicht als verbindlicher Bestandteil der Pflegeausbildung verankert ist, sondern als situatives und von individuellen Deutungsmustern abhängiges Handlungsfeld erscheint. Damit bestätigt sich die strukturelle Leerstelle. Eine verbindlichere curriculare Verankerung sowie eine gezielte Professionalisierung von Pflegepädagog*innen erscheinen notwendig, um politische Bildung als integralen Bestandteil beruflicher Bildung zu etablieren.

Literatur (Auswahl)

Eigene Studie

  • Romanow, Y. (2025): Politische Bildung in der Pflegeausbildung. Masterarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen.

Theoretische Grundlagen & Politische Bildung

  • Detjen, J. et al. (2012): Politikkompetenz – ein Modell. Wiesbaden: Springer Fachmedien.
  • Detjen, J. (2013): Politische Bildung. Geschichte und Gegenwart in Deutschland. 2. Auflage. München: Oldenburg Wissenschaftsverlag.
  • Massing, P. (2007): Politik. In G. Weißeno, K.-P. Hufer, H.-W. Kuhn, P. Massing & D. Richter, Wörterbuch Politische Bildung (S. 281-289). Schalbach/ Ts.: Wochenschau Verlag.

Methodik (Qualitative Forschung)

  • Mayring, P. (2022): Qualitative Inhaltsanalyse- Grundlagen und Techniken. Weinheim: Beltz- Verlag.
  • Mayer, H. (2022): Pflegeforschung anwenden. Elemente und Basiswissen für das Studium. Wien: Facultas Verlag.

Pflege- & Berufspädagogik

  • Fachkommission nach § 53 PflBG (2020): Rahmenpläne der Fachkommission nach § 53 PflBG. Rahmenlehrpläne für den theoretischen und praktischen Unterricht. (Bundesinstitut für Berufsbildung, Hrsg.) Bonn.
  • Monteverde, S. (2024): Politikkompetente Pflege und Pflegebildung. Politikkompetente Pflege und Pflegebildung. Ein kritisches Plädoyer. PADUA Fachzeitschrift für Pflegepädagogik, Patientenedukation und -bildung, S. 20-24.
  • Achour, S. & Wagner, S. (2019): Wer hat, dem wird gegeben: Politische Bildung an Schulen. Bestandsaufnahme, Rückschlüsse und Handlungsempfehlungen. Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung.

Didaktik & Normative Orientierung

  • Wehling, H.-G. (2016): Konsens à la Beutelsbach? Nachlese zu einem Expertengespräch. In B. Widmaier & P. Zorn, Brauchen wir den Beutelsbacher Konsens? ‒ Eine Debatte der politischen Bildung (Bd. Schriftenreihe Band 1793, S. 19-27). Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.