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Professionelle Haltung als Schutzfaktor: Wie Pflegelehrende und Praxisanleitende das Second-Victim-Erleben von Pflegelernenden prägen
Implikationen für emotionale Sicherheit, Fehlerkultur und strukturelle Verantwortung in der Pflegebildung
Beschreibung
Einleitung
Kritische Ereignisse in der pflegerischen Praxis können bei Pflegelernenden erhebliche emotionale Belastungen auslösen. Das Second Victim Phänomen beschreibt Reaktionen wie Schuld, Scham, Selbstzweifel und Identitätskonflikte. Während internationale Forschung die Bedeutung organisationaler Unterstützung betont, bleibt die Rolle der professionellen Haltung von Ausbildenden im deutschsprachigen Raum bislang wenig untersucht.
Hintergrund und Zielsetzung
Die Studie analysiert, wie die Haltung von Lehrenden und Praxisanleitenden das Second Victim Erleben prägt. Ziel ist es, Haltung als pädagogischen und organisationalen Schutzfaktor sichtbar zu machen und daraus strukturelle sowie bildungspolitische Implikationen abzuleiten.
Methoden
Es wurde eine qualitative, multiperspektivische Untersuchung durchgeführt. Grundlage bilden leitfadengestützte Interviews (n= mit Pflegelernenden, Lehrenden und Praxisanleitenden der generalistischen Pflegeausbildung. Die Auswertung erfolgte mittels inhaltlich strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass nicht das kritische Ereignis selbst, sondern die professionelle Haltung der Ausbildenden maßgeblich darüber entscheidet, ob Lernende emotional stabilisiert oder zusätzlich belastet werden. Unterstützende Haltungen wie transparente Kommunikation, geteilte Verantwortung und eine reflexive Fehlerkultur wirken präventiv und stär ken die Identitätsentwicklung. Hierarchische Distanz, Bagatellisierung und Schuldzuweisungen verstärken dagegen das Second Victim Erleben. Zudem fehlen in vielen Einrichtungen strukturierte Konzepte zur Begleitung kritischer Ereignisse.
Diskussion und Ausblick
Professionelle Haltung erweist sich als zentraler Hebel für emotionale Sicherheit in der Pflegebildung. Daraus ergibt sich eine doppelte Verantwortung: pädagogisch (Haltung als Kernkompetenz von Ausbildenden) und strukturell ( Fehlerkultur, institutione lle Unterstützungsangebote). Notwendig sind verbindliche Reflexionsformate, klare Zuständigkeiten und organisationale Präventionsstrategien. Die Ergebnisse bilden eine Grundlage für weiterführende Forschung zu professioneller Haltung, moralischer Belastung und organisationaler Verantwortung.
Literatur
- Strametz, R., Roesner, H., Neusius, T., Wiesenhuetter, I., Bushuven S., Mira, J. J., Hinzmann, D., Heininger, S. ( The economic implications of psychosocial peer support for in German hospitals. Journal of Healthcare Leadership, 17, 15 22. https://doi.org/10.2147/JHL.S498789
- Wesselborg, B., Bauknecht, J. ( Belastungs und Resilienzfaktoren vor dem Hintergrund von psychischer Erschöpfung und Ansätzen der Gesundheitsförderung im Lehrerberuf. Prävention und Gesundheitsförderung, 18, 282 28 9. https://link.springer.com/article/10.1007/s11553-022-00955-z