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Psychologische Sicherheit im Klassenzimmer
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Beschreibung
Einleitung
Ausbildungs- und Studiengänge in den Gesundheitsberufen sind zunehmend mit einer wachsenden psychischen Belastung der Lernenden konfrontiert. Viele Auszubildende berichten bereits zu Beginn ihrer Ausbildung von Ängsten, Unsicherheiten, psychischen Vorbelastungen und eingeschränkter Belastbarkeit. Diese Entwicklungen wirken sich unmittelbar auf Beteiligung, Konzentrationsfähigkeit und soziale Interaktion im Unterricht aus und stellen Lehrpersonen vor neue pädagogische Herausforderungen.
Hintergrund und Zielsetzung
Vor diesem Hintergrund gewinnt das Konzept der psychologischen Sicherheit an Bedeutung. Es beschreibt die geteilte Überzeugung in Gruppen, sich ohne Angst vor Bloßstellung, Sanktionierung oder Abwertung einbringen zu können (Edmondson 1999). Während psychologische Sicherheit in der Team- und Organisationsforschung als förderlich für Lernen, Bindung und Gesundheit gilt, wird sie im hochschul- und berufspädagogischen Kontext bislang selten systematisch als Antwort auf psychische Belastung und Unsicherheit diskutiert. Ziel des Beitrags ist es, psychologische Sicherheit als pädagogisches Orientierungs- und Entwicklungsprinzip für Unterricht in den Gesundheitsberufen sichtbar zu machen.
Pädagogische Perspektive und Wirkzusammenhänge
Aus pädagogisch-systemischer Perspektive ist psychologische Sicherheit eng mit Bindung, Selbstwirksamkeit und wahrgenommener Zugehörigkeit verbunden (Bandura 1997; Rogers 1983). Lernende, die sich sicher fühlen, zeigen eine höhere Bereitschaft zur Beteiligung, eine verbesserte Aufnahmefähigkeit sowie einen konstruktiveren Umgang mit Fehlern und Unsicherheit. Psychologische Sicherheit wirkt dabei nicht therapeutisch, sondern präventiv und entwicklungsfördernd: Sie stabilisiert Lernprozesse, stärkt psychische Gesundheit und unterstützt die Entwicklung beruflicher Identität. Lehrpersonen gestalten diesen Prozess wesentlich durch Haltung, Beziehungsgestaltung, klare Rahmung und den reflektierten Umgang mit Macht und Bewertung (Reich 2012).
Diskussion und Ausblick
Psychologische Sicherheit eröffnet eine zentrale pädagogische Perspektive im Umgang mit den aktuellen Herausforderungen psychischer Belastung in der Ausbildung der Gesundheitsberufe. Sie lädt dazu ein, Unterricht nicht primär über Leistungssteuerung, sondern über Vertrauen, Bindung und dialogische Lernkultur zu entwickeln. Der Beitrag versteht sich als sensibilisierender, diskussionsorientierter Vortrag, der zur pädagogischen Weiterentwicklung von Unterricht und Lernkultur anregen soll, und kann optional durch einen Workshop zur vertieften Reflexion ergänzt werden.
Literatur
- Bandura, A. (1997): Self-efficacy: The exercise of control. New York: Freeman.
- Deci, E. L. & Ryan, R. M. (2000): The “what” and “why” of goal pursuits: Human needs and the self-determination of behavior. Psychological Inquiry, 11(4), 227–268.
- Edmondson, A. (1999): Psychological safety and learning behavior in work teams. Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383.
- Hascher, T. (2017): Lernen und Emotionen – ein vernachlässigtes Thema? In: Hascher, T. (Hrsg.): Lernen, Emotionen und Motivation. Wiesbaden: Springer VS, 1–17.
- Reich, K. (2012): Systemische Pädagogik. Ein Lehrbuch. 4. Aufl. Weinheim: Beltz.
- Rogers, C. R. (1983): Der neue Mensch. Eine Zukunftsvision. München: Kösel.
- Schlee, J. & Becker, J. (2021): Schule als System – systemische Schulentwicklung in Theorie und Praxis. Wiesbaden: Springer VS.
- Simon, F. B. (2004): Einführung in die systemische Organisationstheorie. Heidelberg: Carl-Auer.
- Wahl, D. (2006): Didaktik und Unterrichtsgestaltung. Stuttgart: Kohlhammer.