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Sprachförderung in der Pflegefachassistenzausbildung

Posterpräsentation
14.09.26, 16:50 - 14.09.26, 17:00 (Europe/Zurich) (10 Minuten)
Autor:in
Diana Rottgardt
Evangelische Hochschule Berlin
Co-Autor:innen: Justine Krziwon, Evangelische Hochschule Berlin

Beschreibung

Einleitung

In einem kommunikativen Beruf wie der Pflege entscheidet die Sprachkompetenz über Ausbildungserfolg, Integration und Patientensicherheit.

Damit ist die Sprachkompetenz eine grundlegende Voraussetzung für die Qualität pflegerischer Arbeit und ein zentrales Element beruflicher Handlungskompetenz (Bockrocker, 2011, S. 7; Maier, 2024, S. 239).

Wie Badel (2023) beschreibt, bringen die Auszubildenden in der Pflegefachassistenz unterschiedliche sprachliche Voraussetzungen mit, da einige Deutsch als Muttersprache und andere als Zweitsprache sprechen. Aus diesem Grund werden die zukünftigen Auszubildenden in der Pflegefachassistenz einen erhöhten Förderbedarf aufweisen, insbesondere in den Bereichen Lesen, Schreiben und der Anwendung von Bildungs- und Fachsprache (Badel, 2023, S. 3).

Hintergrund und Zielsetzung

Im Berliner Pflegefachassistenzgesetz ist kein konkretes Sprachniveau nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen als sprachliche Anforderung für den Zugang zur Ausbildung definiert. Stattdessen wird von dem Vorhandensein erforderlicher Deutschkenntnisse für die Ausübung des Berufes gesprochen.

Die Heterogenität in der Sprachkompetenz unter den Auszubildenden in der Pflegefachassistenz und die Bedeutung von Kommunikation im Pflegeberuf machen eine Auseinandersetzung der Lehrenden mit dem Thema Sprachförderung sowie dessen Berücksichtigung im pädagogischen Handeln erforderlich. Die Verankerung des Themas im Rahmenlehrplan der Berliner Pflegefachassistenzausbildung fördert diese Auseinandersetzung zusätzlich.

Folgende Fragestellung lag der Forschung zugrunde: „Welche Erfahrungen haben die Lehrenden in der Berliner Pflegefachassistenzausbildung mit dem Thema Sprachförderung im theoretischen Unterricht gesammelt und welche Bedarfe lassen sich daraus ableiten?“.

Die Forschung eruierte, wie die Lehrenden die Sprachkompetenz der Auszubildenden wahrnehmen und damit umgehen. Zudem erfolgte die Ermittlung von Bedarfen, die zur Umsetzung eines sprachförderlichen Unterrichts notwendig sind. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zur Qualitätssicherung der Pflegefachassistenzausbildung beitragen.

Methoden

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde eine qualitative Forschung mittels problemzentrierter Interviews durchgeführt. Hierfür kam ein thematisch strukturierter Interviewleitfaden zum Einsatz. Die Gewinnung der Interviewteilnehmer*innen erfolgte über das gezielte Sampling. Dafür wurden alle Berliner Schulen für Pflegefachassistenz angeschrieben. An den Interviews nahmen acht Lehrende unterschiedlicher Schulen für Pflegefachassistenz aus Berlin teil. Die Interviewdurchführung fand ausschließlich über Videotelefonie statt. Die Datenauswertung erfolgte nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker.

Ergebnisse

Im Folgenden wird eine Auswahl an Ergebnissen aus der Forschung dargestellt.

Alle Lehrenden berichten, dass die Auszubildenden Defizite in der Sprachkompetenz haben, unabhängig davon, ob Deutsch als Erst- oder Zweitsprache erworben wurde. Dies betrifft die mündliche Ausdrucksfähigkeit sowie die schriftlichen Fähigkeiten und das Textverständnis. Eine gezielte Sprachstandermittlung mit objektiven Tests wird nicht durchgeführt. Vielmehr erfolgt die Einschätzung der Sprachkompetenz über die Wiedergabe des erlangten Fachwissens in schriftlicher oder mündlicher Form.

Die Verwendung der im Unterricht genutzten Bildungs- und Fachsprache ist für viele Auszubildende herausfordernd. Drei Lehrende weisen darauf hin, dass die Vorbereitung und Durchführung eines binnendifferenzierten, sprachsensiblen Unterrichtes viel Zeit in Anspruch nehmen. Es besteht ein Bedarf an sprachsensibler Literatur und Lehr- und Lernmaterialien.

Um die Sprachkompetenz der Auszubildenden zu fördern, werden additive schulinterne Angebote zur Sprachförderung angeboten.

Das Wissen zur Sprachkompetenzförderung erwarben vier Lehrende in internen bzw. externen Weiterbildungen und drei Lehrende im Selbststudium. Die Hälfte der Lehrenden gab an, dass im Rahmen des pädagogischen Hochschulstudiums das Thema Sprachförderung nicht berücksichtigt wurde. Sechs Lehrende äußerten den Wunsch nach Fortbildungen in diesem Bereich.

Die Lehrenden benannten u. a. den Bedarf an einer verbindlichen Festlegung des zu Ausbildungsbeginn erforderlichen Sprachniveaus, der Einführung von Sprachkompetenztests sowie einer Reduzierung des Lehrer-Schüler-Schlüssels.

Diskussion und Ausblick

Die Sprachkompetenz ist eine entscheidende Voraussetzung, um die fachlichen Ausbildungsinhalte zu verstehen und die beruflichen Handlungskompetenzen zu erwerben. Zudem stellt die Kommunikation eine Schlüsselqualifikation in der Pflege dar. Demnach ist die Sprachkompetenz aller Auszubildenden in der Pflegefachassistenz zu fördern. Die Berliner Pflegefachassistenzausbildung lässt mit 40 Differenzierungsstunden nicht genügend Raum, um der heterogenen Auszubildendengruppe gerecht zu werden. Daher ist eine Anpassung der zeitlichen Vorgaben im Rahmenlehrplan erforderlich.

Aufgrund des hohen Bedarfs an Sprachförderung braucht es sprachdidaktische Konzepte für die Pflegefachassistenzausbildung und Qualifizierungsangebote für die Lehrenden innerhalb des pädagogischen Hochschulstudiums bzw. im Fort- und Weiterbildungssektor.

Die gewonnenen Ergebnisse sollten auf schulischer, bildungspolitischer und pflegewissenschaftlicher Ebene diskutiert werden, insbesondere im Hinblick auf die Einführung einer bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung sowie die damit verbundene Festlegung struktureller Rahmenbedingungen und des Rahmenlehrplans.

Literatur

  • Badel, S. (2023). Sprachsensible Ausbildung Pflegefachassistenz. Handbuch.
  • Berlin: ArbeitGestalten.
  • Bocksrocker, N. (2011). Sprachkompetenz als Basis der Handlungskompetenz - zur Notwendigkeit eines erweiterten Lernfeldkonzeptes. Berufs-und Wirtschaftpädagogig-online(20), S. 1-21. Abgerufen am 21. 05. 2025 von https://www.bwpat.de/ausgabe20/bocksrocker_bwpat20.pdf
  • Maier, I. (2024). Sprachkompetenzerwerb in der Pflegebildung. Selbstwahrnehmung, Herausforderungen und Ressourcen von migrantischen Pflegelernenden. Padua, 19(5), S. 239-244. doi:https://doi.org/10.1024/1861-6186/a000827