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Wenn Stereotype Gewalt verdecken

Gewalt durch Frauen an Männern als Thema politischer Bildung in den Gesundheitsfachberufen

Vortrag
Ort: Raum 1 15.09.26, 09:00 - 15.09.26, 09:45 (Europe/Zurich) (45 Minuten)
Autor:in
Nicole Liba
Univeritätsmedizin Rostock
Co-Autor:innen: Prof. Dr. Hans-Joachim Goetze, Universitätsmedizin Rostock
Referent:innen
Referentin 1

Beschreibung

Gesellschaftliche Diskurse über Gewalt in Paarbeziehungen sind durch geschlechterbezogene Narrative geprägt, die die Wahrnehmung, Bewertung und das professionelle Handeln maßgeblich beeinflussen. Gewalt gegen Männer wird als ein „gesellschaftliches Tabuthema“ beschrieben, welches im fachlichen, medialen und im pädagogischen Kontext mehr thematisiert werden muss. (Schemmel et al., 2024). Die vorliegende Leerstelle thematisiert Fragestellungen hinsichtlich sozialer Gerechtigkeit, professioneller Verantwortung sowie einer diversitätssensiblen Bildungskultur in den Gesundheitsberufen. Ausgehend von der Prämisse, dass gesundheitsbezogenes Handeln stets auch soziales und politisches Handeln ist, verortet der Beitrag das Thema im Spannungsfeld von politischer Bildung, Haltung und demokratischer Teilhabe. Stereotype Geschlechterbilder können dazu führen, dass bestimmte Betroffenengruppen, unsichtbar werden (ebd. ; Rechenberg et al., 2024). Lehrende sehen sich folglich mit der Herausforderung konfrontiert, kontroverse gesellschaftliche Themen diskriminierungssensibel und professionsbezogen zu bearbeiten. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird ein Lehr-Lern-Konzept präsentiert, welches am Lehrstuhl für Pflegewissenschaft der Universitätsmedizin Rostock Anwendung findet. Kennzeichnend für dieses Konzept ist eine partizipative Unterrichtsgestaltung, die einen hohen Praxisbezug gewährleistet. In einem dialogisch strukturierten Diskurssetting erfolgt die  Annäherung der Lernenden an das Thema Gewalt durch Frauen an Männern über das Einnehmen unterschiedlicher gesellschaftlicher und professioneller Positionen. Mittels Perspektivwechsel und strukturierter Rollenübernahmen werden demokratische Aushandlungsprozesse erfahrbar gemacht. Der Ansatz hat das Potential, Diskurskompetenz zu stärken,  Ambiguitätstoleranz zu fördern und die Entwicklung einer kritischen Reflexion der eigenen Vorannahmen sowie die Entwicklung professioneller Haltung zu unterstützen. Der Beitrag demonstriert exemplarisch, wie Mitbestimmung und Diskursfähigkeit im Unterricht gezielt gefördert werden können und politische Bildung als gelebte Praxis demokratischer Aushandlung im Lernprozess sichtbar wird. Das Ziel besteht darin, eine erhöhte Sensibilisierung sowie Anregungen für eine gerechte, Stereotype reflektierende und diversitätssensible Bildung in den Gesundheitsberufen zu schaffen. Zudem sollen Lehrende dazu ermutigt werden, diese Aspekte bewusst zu gestalten.

Literatur

  • Rechenberg, T., Fleischer, T., Sander, C. & Schomerus, G. (2024). Gender-related stigma toward individuals with a history of sexual or physical violence in childhood. BMC Public Health, 24(1), 2396. https://doi.org/10.1186/s12889-024-19913-9
  • Schemmel, J., Goede, L.-R. & Müller, P. (2024). Gewalt gegen Männer in Partnerschaften: Eine empirische Untersuchung zur Situation in Deutschland [Thesis]. In Prof. Dr. Tillmann Bartsch, Prof. Dr. Elisa Hoven, Bettina Limperg & Tobias Merckle (Hrsg.), Edition Seehaus [PLUS] (2. Aufl.). Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. https://kfn.de/wp-content/uploads/2024/02/Gewalt%20gegen%20M%C3%A4nner%20in%20Partnerschaften.pdf