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Wissenschaftliche Integrität als Haltungsfrage: Forschungstagebücher zur Förderung von Verantwortungsbewusstsein

Posterpräsentation
Ort: Posterausstellung 14.09.26, 16:00 - 14.09.26, 16:10 (Europe/Zurich) (10 Minuten)
Autor:in
Marc-Philipp Crepaz
fhg - Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol
Co-Autor:innen: Simone Davidsen, Eva Maria Jabinger, fhg - Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol
Referent:innen
Referentin 1

Beschreibung

Professionelles Handeln in den Gesundheitsberufen erfordert eine Haltung, die von Integrität, Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein geprägt ist. Diese Haltung beginnt nicht erst in der Berufspraxis, sondern wird bereits im Studium grundgelegt – insbesondere im wissenschaftlichen Arbeiten. Die zunehmende Verfügbarkeit generativer Künstlicher Intelligenz (KI) stellt Lehrende und Studierende vor die Frage: Wie kann eine verantwortungsvolle, integre Haltung gegenüber dem eigenen Wissenserwerb gefördert werden, wenn die Grenzen zwischen eigener Denkleistung und KI-generierten Inhalten zunehmend verschwimmen? Wissenschaftliche Integrität wird damit zur Haltungsfrage, die über regelbasierte Kontrolle hinausgeht und Reflexion, Bewusstseinsbildung und professionelle Verantwortungsübernahme erfordert (Valkenburg et al., 2021).

Methodik und Ergebnisse

Im Rahmen berufsbegleitender Masterstudiengänge an der fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol wurde das Führen von Forschungstagebüchern als verpflichtender Bestandteil der Masterarbeitserstellung implementiert. Die schriftlichen Rückmeldungen von 37 Studierenden wurden mittels der Gioia-Methodik (Gioia et al., 2013) ausgewertet. Die Analyse identifizierte vier Dimensionen: funktionale Aspekte (Dokumentation, Strukturierung, Reflexion), subjektive Wahrnehmung (Ambivalenz zwischen Wertschätzung und Belastung), praktische Umsetzung (Herausforderungen und Optimierungsbedarf) sowie übergreifende Auswirkungen und Transfer. Besonders bedeutsam ist die beobachtete dynamische Einstellungsentwicklung von anfänglicher Skepsis zu späterer Wertschätzung sowie der berichtete Transfer reflexiver Dokumentationspraktiken in den beruflichen Alltag der Gesundheitsberufe.

Implikationen für eine verantwortungsvolle Bildungspraxis

Auf Basis der Ergebnisse wurde ein vierphasiges didaktisches Begleitkonzept entwickelt, das sich am Prinzip des Constructive Alignment orientiert (Biggs & Tang, 2011). Der Beitrag zeigt, dass Forschungstagebücher nicht primär als Kontrollinstrument, sondern als Werkzeug zur Entwicklung einer reflexiven, verantwortungsbewussten Haltung wirken können – eine Haltung, die über das Studium hinaus in die professionelle Praxis der Gesundheitsberufe transferiert wird.

Literatur

  • Biggs, J. B., & Tang, C. S. (mit Society for Research into Higher Education). (2011). Teaching for quality learning at university: What the student does (4th edition). McGraw-Hill/Society for Research into Higher Education/Open University Press.
  • Gioia, D. A., Corley, K. G., & Hamilton, A. L. (2013). Seeking Qualitative Rigor in Inductive Research: Notes on the Gioia Methodology. Organizational Research Methods, 16(1), 15–31. https://doi.org/10.1177/1094428112452151
  • Valkenburg, G., Dix, G., Tijdink, J., & De Rijcke, S. (2021). Expanding Research Integrity: A Cultural-Practice Perspective. Science and Engineering Ethics, 27(1), 10. https://doi.org/10.1007/s11948-021-00291-z