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Zwischen Hierarchie und Autonomie – Studienergebnisse zur ärztlichen Delegation als Impuls für das interprofessionelle Lernen von Pflege und Medizin
Beschreibung
Einleitung
In der stationären Akutversorgung sind interprofessionelle Zuständigkeiten bei der ärztlichen Delegation oft unscharf definiert, was bei Pflegenden den Ruf nach Rechtssicherheit weckt. Es zeigt sich dabei eine offensichtliche Diskrepanz zwischen der formalen Befähigung und der tatsächlichen Handlungsfreiheit der Pflegefachpersonen.
Hintergrund und Zielsetzung
Ziel ist es, diese Lücke als Ausgangspunkt für interprofessionelle Lernprozesse zu nutzen, um das Rollenverständnis nachhaltig zu stärken. Die Präsentation nutzt dafür Untersuchungsbefunde als Impulse für interprofessionelle Lernangebote. Der Beitrag greift dabei konkret die Erweiterung von Handlungsspielräumen von (zukünftigen) Pflegefachpersonen sowie die Handlungssicherheit von (zukünftigen) Mediziner:innen auf und zeigt, wie beides durch interprofessionelle Lernangebote gestärkt werden kann.
Methoden
Zur Untersuchung der strukturellen Bedingungen der Delegation wurde zunächst eine Dokumentenanalyse der Delegationspläne ostdeutscher Universitätskliniken durchgeführt. Die daraus abgeleiteten Lernangebote basieren didaktisch auf dem phänomenologischen Bearbeitungsmodell nach Walter (2015). Konkret dient dabei eine authentische Situation aus der Intensivpflege als Grundlage für eine Lernsequenz, die im Rahmen der Fachweiterbildung Intensiv- und Anästhesiepflege eingesetzt wird. Um die so identifizierten Phänomene für eine vertiefte Auseinandersetzung im Lernkontext nutzbar zu machen, erfolgt abschließend eine direkte Verknüpfung mit den empirischen Untersuchungsergebnissen.
Ergebnisse
Die Analyse offenbarte eine stark ausgeprägte formale Heterogenität hinsichtlich der etablierten Delegationsregelungen an den Kliniken. Im Einklang mit aktuellen Studien (Mehringer et al., 2024) bestätigt sich das Fehlen klarer interprofessioneller Abgrenzungen zulasten der praktischen Handlungssicherheit.
Diskussion und Ausblick
Zur Schließung der „Theory-Practice-Gap“ orientiert sich die Diskussion an der Frage, wie sich die Befunde in Lernsettings nutzen lassen und welche strukturellen Veränderungen in Ausbildungs- und Studiengängen nötig sind, um eine gesteigerte Handlungsfreiheit und -sicherheit zu erreichen. Es muss geklärt werden, wie interprofessionelle Lernarrangements gestaltet sein müssen, damit Pflegende ein kompetenzbewusstes Rollenverständnis entwickeln und Mediziner:innen zeitgleich die rechtssichere Delegation erlernen. Die aktuelle Heterogenität erfordert zwingend eine rechtliche und praktische Klärung, da klare Zuständigkeiten die Basis für die Handlungssicherheit bilden. Eine zukunftssichere Patientenversorgung erfordert somit strukturelle Anpassungen in der interprofessionellen Ausbildung. Ein kompetenzbewusstes Rollenverständnis und ein sicheres Delegationsverhalten müssen zwingend durch gemeinsame, interprofessionelle Lernprozesse integrativ gefördert werden.
Der Beitrag knüpft vor allem am Schwerpunkt „Verantwortung & Haltung“ an. Es geht um die Erweiterung von Handlungsspielräumen von Pflegefachpersonen und wie diese durch interprofessionelle Lernangebote gestärkt werden können.
Literatur
- Mehringer, D., Jahn, P., Linoh, K. P., Wienke, A., Michl, P., & Walldorf, J. (2024). Praxis und Herausforderungen der Delegation ärztlicher Tätigkeiten im interprofessionellen Arbeitsalltag der stationären Krankenversorgung in Deutschland: Eine explorative Befragung. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen, 186, 10–17. https://doi.org/10.1016/j.zefq.2024.01.007
- Walter, A. (2015). Der phänomenologische Zugang zu authentischen Handlungssituationen – ein Beitrag zur empirischen Fundierung von Curriculumentwicklungen: Berufsbildungsforschung im Gesundheitsbereich. (Spezial 10), 1–22.